Dekanat Wetterau

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          Gegründet in Friedberg: 70 Jahre EKHN

          Stadtarchiv Friedberg (Hessen)

          Am 30. September 1947 wurde die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in der Friedberger Burgkirche gegründet. Auf den Tag genau 70 Jahre später wirft das Ev. Dekanat Wetterau in einer Festveranstaltung einen Blick auf sieben bewegte Jahrzehnte.

          "Streitbar, versöhnend, gesellschaftsbezogen - evangelisch!"

          So lautet das Motto dieser Festveranstaltung zu der das Dekanat Zeitzeugen zum Gespräch eingeladen hat: die stellv.  Kirchenpräsidentin der EKHN Ulrike Scherf, den früheren und den amtierenden Präses der Synode Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer und Dr. Ulrich Oelschläger, den Theologen Prof. Dr. Martin Stöhr und die früheren Pröpste Helga Trösken und Michael Karg.
          Eine kleine Ausstellung wirft Schlaglichter auf herausragende Ereignisse, die die Geschichte der Landeskirche prägten.
          Musikalisch begleitet das  durch "Jazz und Texte" bekannte Ensemble  "pianoplus"  den Abend.

          Die Gründung
          Die Trümmer des Zweiten Weltkriegs waren längst nicht abgeräumt, da wurde in der Friedberger Burgkirche die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau gegeründet. Und plötzlich stand vor 70 Jahren ein U-Boot-Kapitän an Deck des Kirchenschiffs.
          Am 30. September 1947 wurde die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Friedberg gegründet. Vor sieben Jahrzehnten trafen sich am letzten Wochenende im September Delegierte aus den drei früheren Landeskirchen Nassau, Hessen und Frankfurt zu einem „Kirchentag“, dem Vorläufer der späteren Kirchensynode. Einstimmig bestätigten sie in der Friedberger Burgkirche eine zuvor umstrittene Vereinigung der drei Landeskirchen, die sich schon 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten zusammengeschlossen hatten.

          Kapitän an Deck der Kirche
          Zum ersten Kirchenpräsidenten der EKHN wurde damals Martin Niemöller (1892-1984) gewählt. Die Entscheidung, den früheren U-Boot-Kommandanten aus dem Ersten Weltkrieg, Berliner Pfarrer, späteren Konzentrationslager-Insassen und persönlichen Gefangenen Adolf Hitlers zum leitenden Geistlichen zu wählen, war zugleich eine Richtungsentscheidung. Niemöller war einer der führenden Köpfe des „Kirchenkampfs“ im Dritten Reich. Er und seine Mitstreiter hatten sich als Mitglieder der so genannten Bekennenden Kirche vehement gegen eine Anpassung an den nationalsozialistischen Staat gewandt. Viele der Amtsträger der noch jungen EKHN verstanden die neue Kirche nun in dieser Tradition. Sie sollte nicht nur eine kämpferische, sondern auch eine basis-orientierte Gemeinschaft sein, die sich von der Gemeinde her aufbaut. Folgerichtig bekam die EKHN keinen Bischof, sondern einen auf Zeit gewählten Kirchenpräsidenten.

          Am Rand der Spaltung
          Die EKHN versteht sich seitdem als „streitbare, fromme und politische Kirche“, so heißt es auch im Selbstportrait auf der kirchlichen Internetseite ekhn.de. Beispielhaft aus der Geschichte der EKHN ist etwa die massive Auseinandersetzung um die Wiederbewaffnung Westdeutschlands in den 1950er Jahren. In den Folgejahren ging es die Atomenergie, um Nachrüstung und Startbahn West, um Niemöllers Moskaureise mitten im Kalten Krieg und in den 1970er Jahren um die Mitgliedschaft von hessen-nassauischen Pfarrern in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Diese gesellschaftspolitischen Themen  wurden seinerzeit heiß diskutiert und brachten die Kirche zuweilen an den Rand der Spaltung.

          Von Flughafen bis Frauenfragen
          Heftig stritt die EKHN zu Beginn der 1980er Jahre auch über die Frage, wie sie den Ausbau des Frankfurter Flughafens beurteilen sollte. Andere Themen, wurden nicht minder kontrovers und bisweilen emotional diskutiert, wie zum Beispiel die Frage der Frauenordination. 1988 wurde mit der Wahl von Helga Trösken zur Pröpstin in Frankfurt die erste Frau in Deutschland in ein bischöfliches Amt berufen. 1991 wurde der Grundartikel der Kirchenordnung geändert und der Abschnitt zur Frage „der bleibenden Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen“ eingefügt. 2002 diskutierte die Synode die Segnung homosexueller Paare und beschloss die Einführung einer gottesdienstlichen Begleitung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Schließlich wurden vor vier Jahren Segnungen und Trauungen weitgehend gleichgestellt.

          Glauben in Gegenwart tragen
          Gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen bewegen die EKHN bis heute. Immer wieder versucht sie, den Glauben und seine Konsequenzen in unterschiedlicher Weise neu zu formulieren. Dahinter stand und steht bis heute die Frage, wie das Evangelium den Menschen der Gegenwart zeitgemäß nahegebracht werden kann, ohne seinen Kern aufzugeben. 

           

           

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