Dekanat Wetterau

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          Interreligiöses Café Abraham zum Thema Mystik

          „Ich fand das Göttliche in meinem Herzen“

          Evangelisches Dekanat Wetterau

          Das Café Abraham beschäftigte sich in der Bad Nauheimer Wilhelmskirche mit dem Thema Mystik in den drei großen Schriftreligionen. Das Erzählcafé ist ein Veranstaltungsformat, das bereits seit 2003 den Dialog der Religionen in der Stadt fördert.

          Claudia PfannemüllerReferierten über Mystik in Christentum, Judentum und Islam: Pfarrer Dr. Ulrich Becke, Dr. Elke Morlok und Imam Tuncay Dinckal.

          Die Mystik als Suche nach tiefen Gotteserfahrungen finde sich bei Menschen unterschiedlichster Zeiten und Religionen, sagte Ökumene-Pfarrer Dr. Ulrich Becke vom Evangelischen Dekanat Wetterau. Becke nannte das Turmerlebnis Martin Luthers als Beispiel für ein mystisches Erlebnis. Als Mystik werden in der christlichen Tradition individuelle Gotteserfahrungen bezeichnet. Als junger Mönch im Augustinerkloster habe sich Luther intensiv dem Fasten, Beten und Bibellesen gewidmet. Nach quälenden Zweifeln hatte der junge Luther plötzlich die Erkenntnis, dass der Mensch sich die Gnade Gottes nicht durch gute Werke verdienen kann, sondern dass sie ihm durch den Glauben geschenkt wird. Luther beschrieb dieses Erlebnis später als „ganz und gar neugeboren werden.“ Trotzdem gründete Luther seine reformatorische Lehre nicht auf solchen Erfahrungen. Gott wolle sich durch sein Wort dem Menschen mitteilen, vertrat er. Gegenüber dem Überbetonen geistlichen Erlebens waren die Reformatoren insgesamt skeptisch, sagte Becke.

          Dr. Elke Morlok vom Institut für Judaistik der Uni Frankfurt erklärte den etwa 100 interessierten Zuhörern die Grundgedanken jüdischer Mystik. Die Kabbal, eine mystische Tradition im Judentum, habe viel mit Zahlen und Buchstaben des hebräischen Alphabets zu tun, mit deren Hilfe sich jüdische Mystiker die Wirkweisen Gottes erschließen möchten. „Die Sefiroth, die Zahlen von eins bis zehn, beschreiben die Eigenschaften Gottes,“ erklärte Morlok. Der mystische Weg zu Gott sei im Judentum immer an den Text der Thora gebunden. Anhängern der Kabbala gehe es darum, die Eigenschaften Gottes in Harmonie zu bringen und einen Ausgleich zwischen Gottes Zorn und seinem Erbarmen herzustellen. Eine weitere mystische Richtung des Judentums sei der osteuropäische Chassidismus. Offenbar seien mystische Strömungen oft in den kritischen Zeiten jüdischer Geschichte aufgetaucht, stellte die Wissenschaftlerin fest. 

          Der Islam-Theologe und Imam Tuncay Dinckal stellte in seinem Vortrag den Sufismus als mystische Strömung im Islam vor. „Die Sufis entsprechen nicht unserem Bild vom Islam,“ sagte Dinckal. Besonders bekannt seien die Derwische, die Gott durch Tanz und Ekstase näher kommen wollen. Ein islamischer Mystiker löse sich von dieser Welt und lebe häufig in selbstgewählter Armut, da er so seinem Ziel, der vollkommenen Hinwendung zu Gott, näher komme. Außerdem glaube ein Mystiker daran, dass nicht der Verstand, sondern das Herz die Quelle der Erkenntnis Gottes sei.  Dem orthodoxen Islam seien die mystischen Strömungen ein Dorn im Auge. So wurden islamische Mystiker im Laufe der Geschichte häufig verfolgt und unterdrückt, sagte Dinckal. Als wichtige Persönlichkeit des Sufismus bezeichnete Dinckal den muslimischen Mystiker Mevlana Rumi, der im 13. Jahrhundert in Konya lebte und lehrte. Zentrales Thema von Mevlanas Lehre war die Liebe, die er als wichtigste Kraft des Universums betrachtete. Mit einem Zitat Rumis endete der Abend: „Ich suchte in Tempeln, Kirchen und Moscheen. Jedoch ich fand das Göttliche in meinem Herzen.“

          Die am Dialog beteiligten Vertreter der jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinden wollen das Café Abraham künftig wieder regelmäßig veranstalten. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries, nannte Gründe dafür: „In einer Zeit, in der Antisemitismus und Rassismus auf dem Vormarsch sind, ist der Dialog der einzig mögliche Weg, dem zu begegnen,“, sagte er. Armagan Yilmaz vom islamischen Kulturverein RUMI pflichtete ihm bei. „Das gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis für die religiösen Traditionen der anderen ist ein wichtiges Ziel des Café Abraham,“ sagte sie.

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