Dekanat Wetterau

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          Theateraufführung in Bad Vilbel-Heilsberg

          Luther als Spielball des Kapitals

          Es war ein düsteres Lutherbild, das den Besuchern des Theaterstücks “Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung“ am vergangenen Freitag in der Bad Vilbeler Heilig-Geist-Kirche vor Augen geführt wurde.

          Es wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr Reformations-Jubiläum und kein Lutherjahr gefeiert wird. Doch nur selten wird auf die Abhängigkeiten und Verstrickungen der Hauptpersonen im Reformationszeitalter so deutlich hingewiesen, wie in dem Historiendrama, das von der Marburger Theatergruppe GegenStand in einer Inszenierung von Annina Munk und Willi Schmidt auf die Bühne gebracht wurde. Das Stück des Düsseldorfer Dramatikers Dieter Forte zeigte die Mechanismen der Macht. Ein Thema, das auch heute nicht an Aktualität verloren hat. Sichtbar wurde die sich damals gerade entwickelnde Hochfinanz durch die Fugger, die skrupellos gegnerische Parteien finanzierten, solange der Gewinn stimmte. Es war beklemmend mitanzusehen, wie die visionären Konzepte eines Andreas Karlstadt oder die Erneuerungsbewegung eines Thomas Müntzer in den Mühlen der Finanzinteressen zermahlen wurden. Bei Dieter Forte ist Luther ein Spielball, den Friedrich der Weise einsetzt, um seine eigenen Finanzinteressen zu sichern und der gleichzeitig keine Skrupel hat, die Ideen und Texte anderer Leute zu übernehmen und als seine eigenen auszugeben.

          Die Inszenierung ergänzte den Text mit berührenden poetische Textpassagen, die anfangs etwas verwirrend wirkten, weil sie erkennbar in unserer Zeit spielen. Aber schnell wurde deutlich, dass es nicht nur zu den Finanzgebern vor 500 Jahren Verbindungen zu heute gibt, sondern auch zu den Menschen, die von ihrer Arbeit nicht wirklich leben können.

          Die Besetzung vieler männlicher Rollen durch Frauen; die Kleidung, die weitgehend aus unserer heutigen Zeit stammte, ermöglichte eine vielschichtige Sichtweise auf die Geschehnisse damals. Elektronische Gitarrenmusik verdeutlichte Zäsuren und half auf ihre Weise, das Stück nicht einfach nur als ein „Historienspiel“ zu verstehen.

          Indem das gut recherchierte Drama Verbindungen betont, die in vielen Büchern über Luther nicht oder nur beiläufig auftauchen, macht es Lust, mehr über die historischen Figuren zu erfahren. Dass Thomas Münzer tatsächlich eine eigene Bibelübersetzung gemacht hat, ist heute weitgehend unbekannt.

          Die Aufführung des Theaterstücks in Bad Vilbel wurde ermöglicht durch eine Kooperation des Evangelischen Dekanats Wetterau mit dem Marburger Kulturzentrum Waggonhalle. Das lebendige Geschichtsbild des Theaterstücks, von Laien-Schauspielerinnen und Schauspielern beeindruckend gespielt, bereicherte die Sicht auf Luther im Reformationsjubiläumsjahr. 

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