Dekanat Wetterau

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          Mit anvertrauten Ressourcen achtsam umgehen

          Ein Bündnis von Wetterauer Landwirten, Naturschützern und Kirchen kritisieren den geplanten Bau des Rewe-Logistikzentrums in Berstadt. Warum sich die Kirchen in dieser Frage zu Wort melden, wurde in den letzten Wochen häufig diskutiert. Es gehe darum, miteinander über die gemeinsame Lebensgrundlage ins Gespräch zu kommen, verdeutlicht Dekan Volkhard Guth in einem Interview die Position des Evangelischen Dekanats.

          Was ist die Motivation der Kirche, sich dem Thema Bodenschutz zuzuwenden?
          Das Thema des christlichen Glaubens ist „Leben“ – und zwar umfassend. Boden ist eine Grundlage des Lebens. Deshalb gehört zum Kernbestand des jüdisch-christlichen Glaubens, dass dem Mensch das „Bebauen und Bewahren“ dieser Lebensgrundlage aufgetragen ist. Wenn die Kirchen jährlich Erntedank feiern, dann ist das doch keine Folklore; dann hat das genau mit diesem Lebenszusammenhang zu tun. Und wir verbinden diesen Segen mit dem Dank an unseren Gott. Also die Achtsamkeit im Umgang mit den uns anvertrauten Ressourcen gehört zum Kernbestand des christlichen Glaubens – nicht erst seit dem beschlossenen Bau eines Logistikzentrums. Bodentage und -gottesdienste werden im Dekanat Wetterau übrigens seit 2008 veranstaltet. Mit dem Bauernverband feiern wir zusammen jährlich auf einem der Höfe im Landkreis Erntedank. Wir können als Dekanate doch das eine nicht tun und das andere dann lassen.

          Warum geht es so konkret gegen das geplante REWE-Logistikzentrum in Berstadt?
          Ich unterstelle der Wölfersheimer Gemeindevertretung, dass sie sehr wohl abgewogen hat, bevor sie den Entschluss zur möglichen Bebauung gefasst hat. Insofern geht es aus meiner Sicht tatsächlich nicht bloß um das Logistikzentrum von REWE. Und als Kunde schätze ich das Regionalsortiment dieser Märkte. Aber es geht darum, dass hier zum Teil wieder einmal die fruchtbarsten Böden der Wetterau  - ja weltweit – betroffen sein sollen. Auch wenn ich die Beweggründe der Gemeindeleitung und des Einzelhändlers alle nachvollziehen kann – am Ende des Tages ist es zu kurz gedacht. Weil es im wahrsten Sinne unsere Lebensgrundlage betrifft. Die Wetterau ist ein altes Kulturland. Sie ist im Wandel begriffen, sie verändert sich. Aber zu welchen Bedingungen, zu welchem Preis, mit welchen Kosten?! Darüber müssen wir doch ins Gespräch kommen in der Region. Das Logistikzentrum an dieser Stelle – und ich betone an dieser Stelle! – ist nun tatsächlich so augenfällig, dass man nicht übersehen kann, was geschieht. Fahren Sie einmal mit offenen Augen von Süden über Bad Vilbel, Karben hoch ins Herz der Wetterau – der Flächendruck ist gigantisch. Der Verlust bester Böden höchst beklagenswert. Die Summe vieler Einzelinteressen dient noch lange nicht dem Wohle aller! Wir brauchen – auch mit Frankfurt – eine Verständigung. Und wir brauchen sie in der Wetterau. Dazu kommt meine Befürchtung, dass die Umsetzung dieses Vorhabens über den genehmigten Regionalplan hinaus einen Dammbruch bedeuten könnte. Dann kommen auch andere Gemeinden und Städte!

          Wo sollte ihrer Meinung nach das Logistikzentrum gebaut werden?
          Wir kennen ja gar kein Auswahlkriterium für die beabsichtigte Fläche außer dem der Autobahnnähe. Da fällt es schwer, Alternativen zu benennen. Das Bündnis aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kirchen hat ja nur betont: nicht auf einem solch hochwertigen Boden! – Und natürlich verstehe ich eine Gemeinde wie Wölfersheim, die in der Ansiedlung des Logistikzentrum eine Chance für den Ort sieht. Soll ich nun auf die qualitativ schlechteren Böden aus dem ehemaligen Tagebau, oder – um die Autobahnnähe zu beachten -, auf ein mögliches interkommunales Projekt mit Echzell verweisen?!

          Die Kirche besitzt auch Land auf dem Grundstück in Berstadt. Der Verlust des Grundstücks wird mit Geld ausgeglichen. Ist das für Sie nicht akzeptabel?
          Vor dem Hintergrund des Gesagten: es geht gar nicht um das Geld. Davon sieht die Kirchengemeinde ohnehin so gut wie gar nichts, weil es Fläche ist, die der Gesamtkirche zusteht. Sie vergessen, dass die Fläche von Landwirten bewirtschaftet wird. Die wird denen fehlen.

          Geht es nicht auch um die Zukunft von über 550 Mitarbeitern in der Region?
          Natürlich geht es auch um Arbeitsplätze. Und natürlich ist es erstrebenswert, diese auch in der Region zu halten. Menschen, die in den bisherigen Logistikzentren arbeiten, wohnen hier und sind auch Mitglieder unserer Gemeinden. Und die Bauern und deren Familien leben von der Bewirtschaftung von Bodenflächen. Die Kirchen sind nicht gegen REWE-Mitarbeiter oder deren Familien, wie das nun bisweilen hochstilisiert wird. Solche Stimmen sind wir gewohnt, wenn´s kritisch wird. Nein, wir stellen hier diese Fläche infrage. Und wir fragen generell: wie viele gute Böden in der Wetterau noch?! Der Verbrauch bester Böden hat in den letzten Jahren trotz anders lautender politischer Vorgaben drastisch zugenommen. Aber nochmals: Niemand macht es sich leicht bei der Abwägung - die Befürworter nicht, aber auch die Kritiker nicht. 

           

           

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