Dekanat Wetterau

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          Sonntagswort: Nichts mehr hinzuzufügen?

          Pfarrerin Claudia Ginkel aus Friedberg lässt in ihrem Impuls die Olympischen Spiele in Tokio nachwirken.

          GinkelPfarrerin Claudia Ginkel

          Ich begeistere mich für Sport. Mit großem Interesse habe ich die olympischen Spiele in Tokio verfolgt. In den Medien gab es bei den zweiwöchigen Wettkämpfen so manchen Aufreger. Da war der Befehl der Trainerin der modernen Fünfkämpferinnen, das Pferd zu schlagen, damit es endlich los galoppiert. Da gab es die rassistische Entgleisung des Radfahrt-Sportdirektors, die nordafrikanischen „Kameltreiber“, die vor einem Deutschen fuhren, endlich zu überholen.

          Darüber hinaus aber gab es eine Szene, die völlig unbeachtet blieb, mich aber viele Tage sehr beschäftigt hat. Sie ereignete sich nach dem Finale der 4x100 Meter Staffel der Frauen. Die deutschen Sprinterinnen liebäugelten mit der Bronze-Medaille, hieß es vorab. Dann begann das Rennen. Die Jamaikanerinnen gewannen wie erwartet, die Deutschen belegten nur Platz fünf. Etwa 2 Minuten später holte ein Reporter sie vor die Kamera und bat um eine „Fehleranalyse“. Noch außer Atem versuchte eine jede zu erklären, weshalb das Ziel „Bronze“ nicht geklappt hat. Als letzte sagte schließlich die enttäuschte, kein Blatt vor den Mund nehmende Gina Lückenkemper: „Das war Scheiße!“

          Aufgeregt haben mich nicht diese schnörkellosen Worte der dreifachen deutschen Meisterin, sondern vielmehr der Kommentar, den der Reporter eines öffentlich-rechtlichen Senders daraufhin abgab: „Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!“ Und damit beendete er das Interview.

          Ich saß fassungslos da. „Tatsächlich?“, fragte ich mich. Wie wäre es mit: „Respekt für den fünften Platz!“ „Toll, dass ihr es ins Finale geschafft habt!“ Oder auch: „Danke, dass ihr mit dafür gesorgt habt, dass das Rennen so spannend wurde!“ Ach, so viel mehr wäre noch hinzuzufügen gewesen!

          Ich hoffe und wünsche uns, dass wir es schaffen, in unseren Begegnungen wertschätzender miteinander umzugehen. Dass wir es würdigen können, wenn einer alles gibt, auch wenn er keinen Preis gewinnt. Dass wir nicht immer auf das Negative, sondern auf das Positive sehen. Oder wie es der Apostel Paulus sagt: „Macht euch gegenseitig Mut und richtet einander auf!“ (1.Thessalonicher 5,11)

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