Dekanat Wetterau

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          Volkhard Guth im Interview:

          „Das Leben nicht für den Kick einer Sekunde aufs Spiel setzen“

          Claudia Pfannemüller

          Pfarrer Volkhard Guth ist Dekan – und leidenschaftlicher Motorradfahrer. Am 5. Mai wird er um 10 Uhr im Bürgerhaus Nieder-Florstadt bei einem Motorradgottesdienst, dem „2. Fleeschder Anlasse“, die Predigt halten.

          In einem Interview erklärt er, aus welchem Grund für Biker der Segen besonders wichtig ist.


          Herr Guth, mit Ledercombi einen Gottesdienst zu halten, fühlt sich das nicht komisch an?

          Nein, einmal im Jahr geht das. Außerdem ist die Kombi ja auch schwarz. Und als Pfarrer trage ich ja den Talar drüber. Aber diese Kombination macht auch deutlich, was Biker-Gottesdienste zusammenbringen: Menschen, die begeistert sind, wenn es um Motorräder geht, die das Fahren mit den Maschinen lieben und die zugleich auch eine besondere Ahnung davon verspüren, was es heißt, das Leben zu genießen und gleichzeitig wissen, wie gefährdet und zerbrechlich jedes Leben ist. 

          Schrauben Sie gerne an ihrem Motorrad herum oder steht bei ihnen das Fahren im Vordergrund?

          Ich fahre mittlerweile nur noch alte Motorräder. Und die alten Boxer sind simple, aber clevere Konstruktionen. Da gibt es keine Elektronik, keine Computersteuerung. Früher habe ich deutlich mehr geschraubt - da hielt sich das mit dem Fahren die Waage. Heute erlaubt das meine Zeit nicht mehr und so steht das Fahren jetzt im Vordergrund.

          Sind Motorradfahrer ein besonderer Menschenschlag?

          Alles in allem sind es erst einmal ganz normale Leute, die das Sie gleiche Hobby haben. Da gibt es die Cruiser, die Tourer, die Sportler ... Motorradfahrer nehmen ihre Umwelt aber direkter und ungefilterter wahr. Der Helm lässt mich ja den Motor und die Umgebungsgeräusche hören. Ich rieche meine Umgebung anders als im Auto. Und natürlich spielt die Physik beim Fahren eine ganz andere Rolle. Beschleunigung, Kurvenlage - alles ist unmittelbarer und direkter wahrzunehmen. Das unterscheidet sie in jedem Fall von allen anderen Verkehrsteilnehmern.

          Das Hobby Motorradfahren ist nicht ungefährlich.  Gibt es deshalb ein besonderes Bedürfnis, sich den Segen spenden zu lassen?

          Ja. Ich glaube, man muss nicht besonders religiös sein, um zu spüren, wie gefährdet das Leben beim Motorradfahren ist. Und wer ein gutes Gespür für sich hat, der merkt auch, dass einem die Dinge auch mal schnell aus der Hand gleiten können - auch und gerade beim Motorradfahren. Gott sei Dank passiert ja nicht immer etwas. Aber dass ich eben "Gott sei Dank" sagen kann, das macht ja schon etwas mit mir. Und diese Erfahrung teilen Biker in den Bikergottesdiensten.

          Mit welchen Themen wollen Sie die Biker ansprechen?

          Zunächst einmal geht es um die Freude, dass die Saison wieder losgeht! Aber es geht natürlich in unseren Gottesdiensten immer auch darum, die Achtsamkeit für den anderen zu betonen. Gerade weil Motorräder über rasante Beschleunigungswerte verfügen können, fahren wir Biker immer auch in Verantwortung für die anderen, die langsameren Verkehrsteilnehmer mit. Und letztlich geht es auch um die Achtsamkeit uns selbst gegenüber. Wir verdanken unser Leben nicht uns selbst. Wir sollten das Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzen für den Kick einer Sekunde. Und ich bringe einen leeren Kanister mit, den ich mal von einem Biker am Rand einer Autobahn geschenkt bekommen habe. Doch dazu im Gottesdienst mehr!

          Möchten sie in Zukunft noch mehr Angebote für Motorradfahrer machen?

          Unsere Kirche hat ja mit Thorsten Heinrich einen beauftragten Pfarrer für Motorradfahrerseelsorge. Und es gibt eine sehr rührige Szene unter den christlichen Motorradfahrern. Im Reformationsjahr haben wir mit einer kleinen Gruppe ein Motorradpilgern zur Wartburg gemacht. Eine schöne Erfahrung! In Florstadt bin ich auf Einladung des Bürgermeisters Herbert Unger – der ebenfalls ein Biker ist! Und vor Ort gibt es in Kirchengemeinden immer auch kleinere Angebote. In Büdesheim beispielweise. Es kommt also ein wenig darauf an, ob es gewünscht ist, in der Wetterau wieder stärker an die alten Traditionen großer Biker-Gottesdienste anzuknüpfen. Dem würden wir uns als Dekanat Wetterau sicher nicht verweigern.

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