Dekanat Wetterau

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          "Dem Leben Raum und Weite schenken"

          Auf Luthers Spuren durch die Wetterau

          Pfannemüller

          Einen Tag lang pilgerte eine Gruppe aus dem Dekanat Wetterau auf dem Lutherweg von Nieder-Weisel nach Bad Nauheim.

          "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" - unter diesem Motto war kürzlich eine Pilgergruppe des Evangelischen Dekanats Wetterau unterwegs auf dem Lutherweg 1521. Die weiten Blicke in die Landschaft der Wetterau, der Besuch historischer Kirchen und das Gehen auf alten Wegen lasse Menschen spüren, dass sie in eine Tradition eingebettet sind, sagte Bildungsreferentin Britta Laubvogel. Die Pilgertour begann mit einer Andacht in der Johanniter-Komturkirche in Nieder-Weisel. Pfarrer Jörg Fröhlich von der Johannitergemeinde begrüßte die 22 Pilgerinnen und Pilger an einem geschichtsträchtigen Ort. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Komturkirche ist die einzige Kirche, die sich heute noch im Besitz des Johanniterordens befindet, einem evangelischen Ritterorden mit einer fast tausendjährigen Geschichte. Heute sind die Johanniter bekannt als Träger der Johanniter-Unfallhilfe und zahlreicher diakonischer Einrichtungen. 

          „Die Kirche war ein Ort, an dem die Johanniter ihre Ordensregel praktisch umsetzen konnten: den Glauben zu bewahren und den Armen zu helfen,“ erklärte Pfarrer Fröhlich. Der Bau war zugleich Kirche und Hospital in einem. Die Kranken wurden früher im ersten Stock des Gebäudes untergebracht. Durch ein Loch in der Decke, konnten sie den Gottesdiensten in der Kirche unten folgen. „Das war Medizin, die von unten nach oben stieg und den Kranken zur Heilung verholfen hat,“ sagte Fröhlich.  

          Sonnengelbe Felder und weite Blicke

          Von der Komturkirche ging es nach Ostheim, wo die Gruppe gastfreundlich empfangen und mit Kaffee und Brezeln versorgt wurde. Wer wollte, konnte sich seinen Pilgerausweis abstempeln lassen. Vorbei an grünen Wiesen, sonnengelben Rapsfeldern und malerischen Orten, genossen die Pilger den weiten Blick in die Landschaft. Auch Petrus meinte es gut mit der Gruppe. Bei angenehmen Temperaturen und blauem Himmel ging es weiter nach Ober-Mörlen. Nach einem kurzen Blick auf das dortige Schloss lief die Gruppe an dem idyllischen Flüsschen Usa entlang bis zur Quellenstadt Bad Nauheim.

          Luther reiste im Rollwagen

          Wegweisend für die Pilger: das Logo des Lutherwegs, das überall auf dem Weg an Straßenlaternen und Zäunen zu sehen war. Zu der Tagespilgergruppe des Dekanats gehörte auch Bernd Rausch, der Vorsitzende des Vereins „Lutherweg 1521“. Der Lutherweg, der 2017 eröffnet wurde, werde sowohl von Gruppen als auch von einzelnen Pilgern rege genutzt, sagte Rausch. Der 400 Kilometer lange Pilgerweg orientiere sich in seinem Verlauf an der Reiseroute Martin Luthers zum Reichstag nach Worms und zurück zur Wartburg. 80 Kilometer lang verläuft der Lutherweg durch die Wetterau. Anders als die Pilger ging Luther nicht zu Fuß, sondern saß in einem Rollwagen, erklärte Rausch. Der Reformator hielt wenig vom Pilgern. Luther nannte das Pilgern „Narrenwerk“ und verglich es mit dem Ablasshandel.

          Geistliches Wort und Segen für den Weg

          Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, über das Pilgern auf dem Jakobsweg, war der Startpunkt eines neuen Trends, den auch die Evangelische Kirche für sich entdeckte. „Pilgern bedeutet dem eigenen Leben Raum und Weite zu schenken,“ sagte Britta Laubvogel. Die Bildungsreferentin und ausbildete Pilgerführerin bietet seit 2016 regelmäßig Pilgertouren auf dem Lutherweg an. Vor Beginn der Pilgerreise bekomme jeder ein geistliches Wort mit auf den Weg und den Segen zugesprochen. „So steht der Weg von Anfang an auf einem spirituellen Fundament, so Laubvogel.  Die Räume, die ein Mensch im Laufe seines Lebens durchschreite, hätten eine Entsprechung in der Pilgerreise. „Immer wieder müssen Menschen aufbrechen und Vertrautes hinter sich lassen.“ Schon im Mittelalter galt die – damals noch beschwerliche – Pilgerfahrt als ein Symbol für das Leben des Menschen.

          Erfahrung von Gemeinschaft

          Gemeinsam unterwegs zu sein, ermögliche besondere Begegnungen, sagte die Teilnehmerin Gabriele Eilermann. „Der Austausch untereinander und die gemeinsamen Erlebnisse sind etwas Besonderes,“ so die pensionierte Lehrerin. "Für mich ist pilgern vor allem die Suche nach einer geistlichen Erfahrung", sagte Pfarrer Paul-Gerhard Künzel, der ebenfalls mit der Pilgergruppe unterwegs war. Die eintägige Pilgertour endete mit einer Andacht in der Bad Nauheimer Dankeskirche. Den weiten Raum zu entdecken und zu erfahren, dass die Füße tragen, sei eine Erfahrung, die die Pilger mit nach Hause nehmen können, sagte Britta Laubvogel.

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