Dekanat Wetterau

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          Die zarteste Versuchung

          Pfr. Johannes Misterek, Ev. Kirchengemeinde Dortelweil (Bad Vilbel)

          Am Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Von nun an sind es 40 Tage bis Ostern. Viele Menschen gestalten diese Zeit ganz bewusst: Verzicht auf Alkohol, weniger Schokolade, mehr Bewegung, Zeit für Stille. Die evangelische Kirche lädt in ihrer Fastenaktion „7 Wochen ohne Lügen“ dazu ein, wahrhaftiger zu leben. Bei all diesen Vorhaben geht es weniger darum, etwas zu leisten und mir etwas zu beweisen. Vielmehr soll der bewusste Verzicht helfen, mehr zu mir selbst zu kommen. Mehr in das Bild hineinzuwachsen, das Gott sich von mir gemacht hat. So gilt es in den kommenden 40 Tagen, manchen Versuchungen zu widerstehen.

          Das Wort „Versuchung“ kommt von „Versuch“: Da versucht etwas oder jemand, mich von meinem Weg abzubringen. Und je nachdem, was ich als meinen Weg ansehe, wird die Versuchung unterschiedliche Gestalten annehmen. Von Jesus wird uns im Neuen Testament erzählt, dass er in der Wüste drei Versuchungen abgewehrt hat. Das waren Versuche, ihn von seinem Weg abzubringen. Denn eben gerade hatte er bei seiner Taufe von seinem himmlischen Vater die Zusage empfangen: „Du bist mein geliebter Sohn.“ (Matthäusevangelium 3,17) Dauernd gibt es Versuche, mich von meinem Lebensweg als ein Sohn, als eine Tochter Gottes abzubringen – von den Lebensumständen, von anderen, aus mir selbst.

          Ich denke, unser „Fasten“ geht in eine ganz gute Richtung, wenn wir merken: Wir können wirklich auf ganz viel verzichten, weil wir unsere tiefste Lebensmitte in Gott gefunden haben, der uns Leben und Liebe und Kraft täglich zufließen lässt. Ich kann auf viele Sachen verzichten, von denen ich meine, dass ich sie so dringend brauche, weil sie doch nur einen Mangel ausfüllen, einen Mangel nach tiefem Leben, das ich ersehne, aber das ich noch nicht gefunden habe.

          Ich wünsche Ihnen und mir, dass die Art und Weise, wie wir die Fastenzeit gestalten, uns sensibler und offener macht für das Geheimnis unserer wahren Identität: ein Sohn, eine Tochter Gottes zu sein. Alles, was uns von dieser Lebensspur abbringen möchte, ist eine Versuchung. Ein Versuch, uns unserer wahren Würde zu berauben, die wir mit allen Menschen teilen. Denn: „Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf.“ (Jacques Gaillot)

          Ihr Pfarrer Johannes Misterek, Ev. Kirchengemeinde Dortelweil

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