Dekanat Wetterau

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          „Eine Institution in der Gefängnisseelsorge“

          Pfarrer Müller-Monning in den Ruhestand verabschiedet

          PfannemüllerPfarrerin Barbara Zöller (links) und Pfarrerin Julia Held (rechts) übernehmen künftig die Gefängnisseelsorge an der JVA Butzbach. Pfarrer Dr. Tobias Müller-Monning wurde in den Ruhestand verabschiedet.

          Hinter hohen Mauern mit Stacheldraht war 18 Jahre lang der Arbeitsplatz von Pfarrer Dr. Tobias Müller-Monning. Jeden Tag musste er morgens die Sicherheitsschleuse passieren und zahlreiche Türen auf und wieder zuschließen, um an seinen Wirkungsort zu gelangen.

          Als Gefängnisseelsorger bei der Justizvollzugsanstalt Butzbach war er ansprechbar für Inhaftierte und Mitarbeitende im Strafvollzug. Nun wurde der evangelische Pfarrer im Rahmen eines Gottesdienstes in den Ruhestand verabschiedet. Künftig übernehmen Pfarrerin Julia Held und Pfarrerin Barbara Zöller mit je einem halben Dienstauftrag die Gefängnisseelsorge in Butzbach.  

          Pfarrer, Kriminologe und Sozialwissenschaftler

          „Tobias Müller-Monning war eine Institution in der Gefängnisseelsorge“, sagte der Leiter des Zentrums Seelsorge und Beratung, Oberkirchenrat Christoph Schuster, bei der Verabschiedung. Als Pfarrer, Kriminologe und promovierter Sozialwissenschaftler war Müller-Monning viele Jahre lang Vorsitzender der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Hessen. Als einer der Verfasser des Grundsatzpapiers „Zur Zukunft des Gefängnissystems“ hat Müller-Monning die Debatte um einen zeitgemäßen Strafvollzug maßgeblich mitbeeinflusst. 

          Einsatz in El Salvador

          Nach seinem Theologiestudium in Marburg kam er in einem Spezialpraktikum in Rockenberg erstmals mit dem Gefängnissystem in Berührung. Von 1985 bis 1990 war er mit seiner Familie im bürgerkriegsgeplagten zentralamerikanischen Land El Salvador in der Pfarrerausbildung tätig. Dort wurde er selbst kurzzeitig inhaftiert, eine prägende Erfahrung für den evangelischen Pfarrer. An kaum einem anderen Ort würden biblische Begriffe wie Schuld, Sühne, Strafe und Vergebung so erfahrbar, wie im Gefängnis, so der Seelsorger.

          Drinnen die Bösen und draußen die Guten?

          Gemeinsam mit anderen Gefängnisseelsorgerinnen und -seelsorgern regte Müller-Monning an, den Strafvollzug neu zu denken. Ein Leben in Haft bedeute für Gefangene einen Verlust der Selbstbestimmung. Wann jemand aufstehe, was er anziehe, wann er mit anderen reden dürfe, all das werde vorgegeben. Inhaftierte litten unter einem Verlust der Lebensperspektive, unter Ohnmacht und Hilflosigkeit. Die Strafe des „Täters“ wirke sich zudem als Strafe für ein ganzes Familiensystem aus. Mit dem Glauben, dass drinnen die Bösen und draußen die Guten seien, mache es sich die Gesellschaft zu leicht, kritisieren die Seelsorger in dem Grundsatzpapier. Gefängnis bestrafe, aber es mache nichts besser, weder im Leben der Opfer noch in dem der Täter. Alternativ gelte es neue Wege einer Aussöhnung zwischen Opfer und Täter zu finden. Kritik am Gefängnissystem zu üben und dabei selbst Teil des Systems zu sein, sei das schwierige Spannungsfeld, in dem sich die Gefängnisseelsorge bewege. Die Seelsorge an Gefangenen bleibt für Müller-Monning auch in Zukunft ein wichtiges Aufgabenfeld der Kirche.

          "Ein Licht im Knast"

          „Worte können Macht haben“, sagte Pfarrer Müller-Monning in seiner Abschiedspredigt. Das Wort eines Richters führe ins Gefängnis und auch wieder heraus. Wer ein Verbrechen begehe, werde mit dem Entzug der Freiheit bestraft. Auf der anderen Seite verspreche Gottes Wort Vergebung der Schuld für alle Menschen. Für Müller-Monning ist jeder Gefangene ein Individuum mit einer einmaligen Lebens- und häufig auch Leidensgeschichte. Für Stefan K. der in Butzbach seit 12 Jahren eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßt, war der Seelsorger über Jahre hinweg ein verlässlicher Begleiter. „Er hat uns zuerst als Menschen und nicht als Täter gesehen,“ sagt er. „Du warst ein Licht in diesem Knast, gabst uns die die Hoffnung, nahmst uns die Last,“ sang ein Chor von Gefangenen zum Abschied. „MüMo“, wie sie ihren Seelsorger liebevoll nannten, möge auch noch im Ruhestand für sie beten.

          Barbara Zöller und Julia Held übernehmen Seelsorge in Butzbach

          Der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Uwe Röhrig, zeigte sich erfreut, dass sich künftig mit Barbara Zöller und Julia Held zwei erfahrene Pfarrerinnen die Stelle in der JVA Butzbach teilen. Pfarrerin Barbara Zöller kümmert sich als Angehörigenseelsorgerin bereits seit 16 Jahren um die Familien der Inhaftierten, Pfarrerin Julia Held versieht seit 2017 mit einer Viertelstelle ihren Dienst als Gefängnisseelsorgerin bei der JVA Butzbach, mit einer weiteren halben Stelle arbeitet sie als Gehörlosenseelsorgerin im Evangelischen Dekanat Wetterau.  

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