Dekanat Wetterau

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Wetterau zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

          AngeboteÜbersicht
          Menümobile menu

          Erzählcafé Abraham schließt seine Pforten

          Elsaßdie Protagonist*innen des Projekts Kunst in Kirchen mit Künstlerin*nen, Veranstaltern, Förderern und Projektgruppe

          Im Gemeindezentrum Wilhelmskirche in Bad Nauheim, da, wo alles begann, fand jetzt nach 16 Jahren die letzte Veranstaltung der interreligiösen Reihe „Erzählcafe Abraham“ statt. Die Reihe war auf Vorbereitung der örtlichen Agendagruppe durch Pfr. Dr. Ulrich Becke von der Profilstelle Ökumene des Dekanats Wetterau zusammen mit anderen ins Leben gerufen worden. Mit seinem Ruhestand in einigen Wochen endet dieses regelmäßige Treffen von Juden, Christen und Muslimen.

          Diesmal ging es vor etwa 60 Gästen um den Gedankenanstoß „Was mir an meinem Glauben gut tut“.

          Dazu brachten Impulse ein: Imam Tuncay Dinckal, Rabbi Andy Steiman und Pfr. Dr. Becke.

          Imam Dinckal aus Frankfurt betonte die Bedeutung, die das Gebet für ihn habe als direkte Kommunikationsmöglichkeit zu seinem Schöpfer. Inmitten von allem Weltlichen erlaube ihm das regelmäßige Hauptgebet, immer wieder neue Impulse zu setzen. Die Lektüre des Koran gestatte ihm immer wieder, sich auf sich selbst und seine Beziehung zu Gott zurückzubesinnen. Auf interreligiösen Pilgerfahrten habe er regelmäßig hohen gegenseitigen Respekt erfahren in einer Gesellschaft, die sich als Ganze immer weiter von der Religion entferne.

          Pfarrer Dr. Becke verglich die unterschiedlichen Religionen mit verschiedenen Gebrauchsanweisungen für Leben und Glauben, die es immer wieder neu zu übersetzen und zu deuten gelte. Gottes Geist sei und bleibe ewig derselbe. Ihn in unserer Zeit neu sprechen, neu wirken zu lassen, sei gemeinsame Aufgabe von Christen, Juden und Muslimen. Dabei sei es wichtig, Respekt und Liebe füreinander zu entwickeln. Er halte den Begriff „Respekt“ in diesem Zusammenhang für besser und richtiger als den Begriff der Toleranz, die meist nicht auf gleicher Ebene, sondern von oben nach unten ausgeübt werde.

          Zwischen den einzelnen Voten und dem regen Gesprächsaustausch darüber begleitete Sigrid Behrens den Gesprächsabend mit Intermezzi am Flügel.

          Schlussredner war Rabbiner Andy Steiman aus Frankfurt. Ihm war es wichtig darauf hinzuweisen, dass das Judentum weniger das Gebet als die Danksagung kenne. Wo es ihm und anderen schwer falle zu danken, helfe der Humor. Der Humor sterbe zuletzt, nicht die Hoffnung. Er habe das vor allem von seinem Großvater erfahren, seinem menschlichen und jüdischen Vorbild, der Verfolgungen im zaristischen Russland, im Stalinismus und in der Shoah erlebt und erlitten habe, dabei aber immer dankbar und der Zukunft zugewandt geblieben sei.

          Als Beispiel dafür, welchen Beitrag sein Glaube für die gemeinsame Zukunft aller leisten könne, nannte Steiman die Diskussion um weniger Fleischkonsum. „Wer die Welt genießt, wird sie erhalten wollen. Dazu muss man interessanterweise erst mal den Genuss in den Griff kriegen“, sagte der Rabbiner.

          Viele der Gäste zeigten sich bewegt vom Abschluss des Erzählcafes: als Rabbiner und Pfarrer das Schlusslied „Schalom, chaverim, lehitraoth!“ (Frieden allen Gefährten und auf Wiedersehen) anstimmten, gesellte sich der Imam dazu und sang den hebräischen Friedenswunsch mit.

          Diese Seite:Download PDFDrucken

          to top