Dekanat Wetterau

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          Podiumsdiskussion Religiöse Naturschutzwoche

          „Es verpflichtet uns, mitzuarbeiten“

          Ihm-FahleFrank-Uwe Pfuhl, Petra Kunik, Mona Abd El Kader und Pfarrer Dr. Peter Noss (von links) diskutieren im Rahmen der Religiösen Naturschutzwoche

          Wie wichtig ist es, die Jugendlichen von „Fridays for Future“ ernst zu nehmen? Was bedeutet „öko-koscher“? „Und was ist ein „Öko-Dschihad?“

          Diese und andere Fragen gehörten zu einem Dialog zwischen Vertretern christlicher, islamischer und jüdischer Glaubensrichtungen in der Burgkirche. Als Diskutanten lud der evangelische Ökumene-Pfarrer Dr. Peter Noss Petra Kunik von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Mona Abd El Kader (Verein Hima Umweltschutz, Frankfurt) und Frank-Uwe Pfuhl (NABU Umweltwerkstatt Wetterau) ein. Anlass war die Religiöse Naturschutzwoche, die Noss federführend organisiert hat. „Idee ist, miteinander ins Gespräch zu kommen, um einen religiösen regionalen Blick auf den Naturschutz zu richten. Die Naturschutzverbände sind interessiert, dass Kirche das Thema unterstützt“, sagte Noss. Diese hätten die Inhalte bereits aufgegriffen, riefen mit dazu auf, an der „Fridays for Future“-Demo am Freitag, 20. September teilzunehmen.

          Wie Petra Kunik erklärte, finde sie die Klimaschutz-Jugendbewegung beeindruckend. Die Computerisierung junger Menschen stehe oft in der Kritik – aber Facebook und soziale Netzwerke unterstützten den Austausch. „So vernetzen sie sich.“ Kunik ging auf den Begriff „öko-koscher“ ein, der aus den USA stamme. „Das Wort ‚koscher‘ heißt bei uns ‚geeignet zum Essen‘“ sagte sie. Wer sich „öko-koscher“ ernähre, esse am besten kein Fleisch. Zum Sabbat gehöre dies zwar – aber es müsse nicht sein. Vegetarisch zu essen reiche jungen Menschen oft allerdings nicht. „Sie sagen: ‚Es kann doch nicht sein, dass Gen-Mais oder Düngen koscher ist.“ Alles, was den Körper schädige, sei nicht koscher. Das Bewusstsein, woher das Gemüse kommt und wie es behandelt wird, gehöre dazu. Dies habe auch etwas mit Achtsamkeit zu tun, es entschleunige den Alltag. „In Frankfurt leben hauptsächlich junge Familien danach“, sagte Kunik.

          Mona Abd El Kader erzählte, wie sie zum Verein Hima Umweltschutz kam. „Ich bin seit 2015 dabei“, schilderte sie. Der kleine, überregional tätige Verein habe sich damals gebildet. Dabei sei auch der Aspekt Umweltschutz aufgekommen. „Wir lassen dies aufleben, vor allem in der islamischen Gesellschaft, aber wir fördern auch den interreligiösen Dialog.“ Wie Noss erzählte, sei er über die Autorin des Buchs „Öko-Dschihad – der grüne Islam“, Ursula Kowanda-Yassin, auf den Verein aufmerksam geworden. „Dschihad“ werde oft in kriegerischem Kontext gesehen – die Autorin verwende den Begriff aber dafür, einen Weg konsequent zu gehen. Abd El Kader bestätigte dies, „Dschihad“ bedeute so viel wie „Anstrengung für das Gute“. Das Bewusstsein in der islamischen Gemeinschaft werde immer größer, die Umwelt zu retten und die Ressourcen zu retten. „Es ist ein Aspekt, der in der Religion verankert ist“, sagte sie. „Entschleunigung, Minimalismus und Achtsamkeit sind dabei Schlüsselbegriffe – sich zurücknehmen und teilen.“

          Frank-Uwe Pfuhl hält den Einsatz der Kirchen in Sachen Naturschutz für ein wichtiges Signal. „Wir haben ein globales Problem. Vielleicht haben die Glaubensgemeinschaften eher die Möglichkeit, moralisch-ethisch darauf aufmerksam zu machen.“ Die wichtigste Vokabel beim Thema Umwelt- und Naturschutz ist nach Ansicht von Pfuhl das Wort „Verzicht“. Viele Bürger benutzten Ausflüchte, getreu dem Motto „Wir trennen ja den Müll“. Er glaube aber, dass sich die Menschheit gewaltiger bewegen müsse und dafür Alternativen notwendig seien. Ihm gefalle die Idee der „Transition Towns“. Statt zum Kulturevent nach New York zu fliegen, könne man sich beispielsweise auch mit dem Nachbarn unterhalten. „Die Idee ist, alles zu relokalisieren und uns zu fragen, wie wir Energieverbräuche in großem Stil eindämmen können.“

          Mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung zitierte Pfarrer Noss den Jesus-Satz „Lasset die Kinder zu mir kommen“. Jesus habe es für bedeutsam befunden, das Reich Gottes wie ein Kind anzunehmen. Ernstnehmen, was aus Kindermund kommt, sei wichtig, sagte Noss. „Es verpflichtet uns, daran mitzuarbeiten.“

           

           

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