Dekanat Wetterau

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          Fairplay für den Frieden

          BAD NAUHEIM: „Weiß jemand, was am 1. September 1939 war?“, fragt Britta Laubvogel. Vor der Bildungsreferentin des Evangelischen Dekanats Wetterau steht eine zehnte Klasse der Berufsfachschule der Beruflichen Schulen am Gradierwerk (BSG) in Bad Nauheim. Anlass ist der dritte „Tag der Menschenrechte“, federführend organisiert von BSG-Lehrer Ralf Grapmayer. 58 Veranstaltungen sind laut Schulpfarrer Johannes Hoeltz terminiert.

          Morgens eröffnete Schulleiter Andreas Stolz das Ereignis auf dem Schulhof, junge Künstler boten Poetry Slam dar. Auch das Evangelische Dekanat Wetterau steuert Inhalte bei: Zum einen ist dies die von Laubvogel präsentierte Wanderausstellung „Ich hab doch nichts mehr – Erinnerungsstücke der ‚Kriegskinder‘“, zum anderen der Workshop „Regeln im Alltag - Werte und Fairplay in Sport und Religion“ von Pfarrer Dr. Peter Noss.

          Ein Schüler meldet sich, um die Frage der Bildungsreferentin zu dem Datum vor 80 Jahren zu beantworten. „War es was mit dem Weltkrieg?“, fragt der junge Mann. Sie erwidert: „Richtig, es war der Ausbruch des zweiten Weltkriegs.“ 

          14 Stehbanner zeigen die Erinnerungsstücke von Zeitzeugen mit den dazugehörigen Geschichten. „Gedanke war, dass die Kriegskinder das letzte Wort bekommen sollen“, zeigt Laubvogel auf Abbildungen von einem Puppenbett, einem Puppenkleid und einer Schulfibel. „Sie erzählen, was ein Kind als Schrecken empfindet, aber auch Momente von Geborgenheit und besondere Bewahrungsmomente.“ Eine Frau berichtet etwa über ein Puppennachthemd. „Immer, wenn die Sirenen losgingen, musste die Puppe das Nachthemd anziehen. Sie hat jeden Knopf zugemacht und die Mutter hat gewartet, bis sie alle Knöpfe zugemacht hat.“ Damit habe die Mama dem Kind den Schutzmantel angezogen.

          „Wenn wir vom zweiten Weltkrieg hören, haben wir schreckliche Bilder im Kopf. Wieso ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern?“, fragt Laubvogel die Zehntklässler. Ein Jugendlicher antwortet: „Damit so etwas nicht wieder passiert.“ Wie sich dabei herausstellt, gibt es in der Gruppe auch Personen mit eigenen Kriegserfahrungen. Laubvogel erklärt: „Erinnern heißt verstehen lernen und sich für den Frieden einzusetzen.“

          In einem anderen Raum hat Dr. Noss, Pfarrer für Ökumene und Dialog, eine Tischtennisplatte aufgebaut. Schüler einer elften Klasse kommen herein. „Welchen Sport mögt ihr und was fällt euch zu dem Begriff ‚Fair Play‘ ein?“, fragt er. Fußball, Schwimmen und Gardetanz nennen die jungen Leute unter anderem. „Es muss Regeln geben“, sagen sie. Oder: „Man muss auch auf den Gegner achten.“ Beim Cross Boule spielen die Schüler mit Bällen, auf denen Worte wie „Verantwortung“, „Respekt“ und „Würde“ stehen. Sie sprechen darüber, später über die sportlichen Werte im Vergleich mit religiösen Tugenden. So erfahren sie zum Beispiel, dass Sportarten wie Volley- und Basketball ihren Ursprung beim YMCA (Christlicher Verein junger Menschen) haben. „Die Gegner sollten sich möglichst wenig berühren, um sich nicht zu verletzen“, erklärt Noss.     

          In einem anderen Raum befasst sich Gerd Bautz (Martin-Niemöller-Stiftung) mit der Frage „Wie geht Frieden?“ Er bezieht sich dabei auf das Konzept „Sicherheit neu denken“ der evangelisch-badischen Landeskirche. „Ziel ist, bis 2040 einen Umstieg von einer militärischen zu einer zivilen Logik in der Sicherheits- und Außenpolitik zu erreichen“, erläutert er. Dies sei genau der Zeitraum, der auch zur Bewältigung der Klimakrise zur Verfügung steht. „Denn dies kann die Menschheit nur zusammen lösen.“   

          Text: Petra Ihm-Fahle

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