Dekanat Wetterau

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          Sport - eine unbekannte Seite der deutsch-israelischen Beziehungen

          Frieden fördern - mit Hin- und Rückspiel

          NossProf. Lämmert spricht in der Lounge des EC Bad Nauheim

          BAD NAUHEIM: Auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GcjZ) Wetterau war am Dienstag, 15. Oktober, Prof. Dr. Manfred Lämmer von der Deutschen Sporthochschule Köln in der Lounge des EC Bad Nauheim zu Gast. Er öffnete ein spannendes Fenster: Zur Verblüffung der Zuhörer, die an diesen sportlichen hotspot gekommen waren, ist es vor allem der Sport gewesen, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel nach 1945 erst möglich gemacht hat.

          Während Politiker und Kulturschaffende in den 50er und 60er Jahren kaum in Erscheinung traten, waren es Mannschaften und ihre Trainer und Betreuer aus den Bereichen Fußball oder Basketball, der Leichtathletik und anderer Sportarten, die die hohen Grenzen überwinden halfen. Denn diese gab es und viele Vorbehalte auf israelischer Seite gegenüber den Deutschen, die für die Gräuel und das Morden dann 6 Millionen Juden vor allem verantwortlich waren. Lange galt ein Verbot, Sport mit Deutschen zu treiben. Durch die direkte Begegnung in Sport und Spiel gelang es aber allmählich, die Kluft zu überwinden.

          Denn, so Lämmer, im Sport findet sich vor allem die junge Generation aus allen sozialen Schichten, es gibt es keine sprachlichen Hürden, Sport dient der Friedensförderung weil es klare Regeln für ein Miteinander gibt. Und schließlich: es gibt nach dem Hin- ein Rückspiel – beste Voraussetzungen für einen nachhaltigen Austausch. Insbesondere die Fußballmannschaft von Borussia Mönchengladbach wusste spätestens seit dem legendären 6:0 gegen die israelische Nationalmannschaft am 12. August 1969 durch ihre Spielkunst zu überzeugen.

          In der Diskussion sprach u.a. der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries, das Problem des aktuell zunehmenden Antisemitismus an. Auch hier, so de Vries, sei der Sport hilfreich, da er produktive Kommunikation befördere. Pfarrer Dr. Peter Noss vom Evangelischen Dekanat Wetterau und wie de Vries Teil des Vorstands der GcjZ dankte dem Referenten und stellte in den Raum, dass doch etwa eine Städtepartnerschaft mit einem Ort in Israel für die Wetterau ein lohnendes Projekt sei. Und selbstverständlich könnte dies ein gemeinsames Projekt für Kirche, Sportverein und Kommune sein... Der Referent des Abends fügte hinzu, dass es in Israel sogar Eishockey gebe – allerdings mit nur zwei wirklich guten Teams. Vielleicht würde der EC Bad Nauheim ja helfen, Brücken zu bauen.

          Wer sich näher für das Thema interessiert, dem sei ein Buch empfohlen, dass Prof. Lämmer kürzlich veröffentlicht hat: "Deutsch-israelische Fußballfreundschaft" (Göttingen 2018).

           Dr. Peter Noss

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