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          Podiumsdiskussion zur Landratswahl:

          Gleiche Chancen für alle

          Claudia Pfannemüller

          Am 20. Februar war Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Das Wetterauer Bündnis für Soziale Gerechtigkeit nahm den Tag zum Anlass für eine Podiumsdiskussion zur Landratswahl. Antworten der Kandidaten auf Zuschauerfragen am Ende des Artikels!

          Wie kann eine Landrätin oder ein Landrat in der Wetterau für soziale Gerechtigkeit sorgen? Über 180 Besucher nutzten am Dienstagabend die Gelegenheit, sich im direkten Vergleich ein Bild von den vier Landratskandidaten zu machen. Knapp zwei Stunden lang stellten sich die vier Kandidaten den Fragen des Moderators Dr. Felix Blaser von der Diakonie Hessen.

          Blaser begann die Diskussion mit einer provokanten Frage: „Wie kann man lernen, wenn man Hunger hat?“ „Kann ein Landrat für kostenloses Schulessen sorgen?“ Das hessische Schulgesetz schreibe vor, dass Mittagessen an Schulen etwas kosten müsse, erklärte CDU-Kandidat Jan Weckler. Das könne der Wetteraukreis nicht anders handhaben. Für bedürftige Familien gebe es auch jetzt schon die nötige Unterstützung, wenn sie sich das Essen für ihre Kinder nicht leisten können, ergänzte Stephanie Becker-Bösch. Die Sozialdemokratin sprach sich für die gebundene Ganztagsschule für alle aus, denn diese Schulform könne soziale Benachteiligung verhindern. „Wenn arme und reiche Kinder mittags gemeinsam mit ihren Lehrern essen, wirkt sich das positiv auf das gesamte Schulklima aus,“ sagte Becker-Bösch. Mit dieser konkreten Forderung unterschied sich die SPD-Kandidatin von ihren drei Mitbewerbern. Ganztagsschule ja – aber mit Wahlmöglichkeit für die Eltern, hielt Weckler dagegen. Der Wetteraukreis investiere derzeit viel Geld in eine gute schulische Infrastruktur, sagte der derzeitige Schuldezernent. Nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Qualität des Schulessens müsse Wert gelegt werden, meinte Daniel Libertus von der FDP. Es lohne sich in Bildung und Schule zu investieren, denn dies sei der Schlüssel zu einer guten Zukunft, argumentierte der Liberale.  Dieser Forderung schloss sich der Grüne Thomas Zebunke an und wünschte sich mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel in den Schulkantinen sowie die Einführung des Fachs Ernährung an den Schulen. 

          Einig war sich die Runde in der Feststellung, das Kindergärten in vielen Kommunen des Kreises derzeit überlastet seien. „Durch den hohen Zuzug platzen die Kitas aus allen Nähten,“ sagte Weckler. Einhellig auch die Klage über zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Da helfe nur eine angemessene Bezahlung, meinte Libertus, sonst drohe die Abwanderung des pädagogischen Personals in die Städte.  Die Sozialdezernentin Becker-Bösch wies darauf hin, dass der Wetteraukreis Kinderbetreuungskosten bei Bedarf übernehme. Außerdem unterstütze der Kreis die Kommunen mit dem Netzwerk „Frühe Hilfen“, das neben Betreuungsplätzen auch Elternberatungen und Kurse anbiete. Der Kreis setze schon jetzt auf Prävention statt auf Armutsbekämpfung, sagte Becker-Bösch.

          Bei der Frage, wie die Entwicklung des Wetterauer Ostkreises zu bewerten sei, traten wieder deutliche Unterschiede zwischen den Kandidaten zu Tage. Während Zebunke einen finanziellen Ausgleich für die östlichen Gebiete forderte, verwies Weckler auf eine gute Entwicklung im Ostkreis. Dort sei die Zahl der Beschäftigten zuletzt überdurchschnittlich gestiegen, nämlich um 15 Prozent. Auch was die Landflucht angehe, sehe er bereits heute einen Paradigmenwechsel, so der CDU-Kandidat. Wohnraum auf dem Land werde für junge Familien wieder zunehmend attraktiver. Zebunke und Libertus argumentierten, Digitalisierung sei eine Chance, Arbeitsplätze wieder in ländlichen Gegenden anzusiedeln. Voraussetzung dafür sei allerdings der Ausbau des schnellen Internets, betonte Libertus. Auf den Vorwurf aus dem Publikum, im Ostkreis gebe es zu wenig öffentliche Dienststellen des Kreises, stellte Becker-Bösch eine mobile Verwaltung in Aussicht: „Ich möchte Wetterau-mobil auf den Weg bringen!“

          Wie es gelingen könnte, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei eines der dringenden Fragen, die in der Wetterau derzeit anstünden, meinte Zebunke. Ein Zweckverband zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum hielten alle vier Kandidaten für eine gute Sache. Dieser befinde sich derzeit in Vorbereitung, müsse aber noch in den Gremien abgestimmt werden, erklärte Weckler.

          Alle vier Kandidaten überzeugten bei der Podiumsdiskussion mit Kompetenz und guten Konzepten. Weckler und Becker-Bösch spielten ihre langjährige kommunalpolitische Erfahrung geschickt aus, während Zebunke selbstbewusst und rhetorisch gewandt sein Engagement für den Ostkreis in den Mittelpunkt stellte. Dass es kein Nachteil sein muss, kein Polit-Profi zu sein, nutzte Daniel Libertus für sich und punktete immer wieder mit erfrischender Ehrlichkeit. „Gehen Sie am 4. März wählen“, forderte Florstadts Bürgermeister Herbert Unger das Publikum auf. Wählen zu können sei ein Recht, dass Bürgerinnen und Bürger nicht hoch genug schätzen könnten, sagte Unger.

          Für nicht alle Fragen aus dem Publikum reichte an dem Abend die Zeit. Die KandidatInnen wurden deshalb gebeten, die verbliebenen Fragen schriftlich zu beantworten.

          Hier die Antworten:
          Stephanie Becker-Bösch
          Daniel Libertus
          Jan Weckler
          Thomas Zebunke

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