Dekanat Wetterau

Angebote und Themen

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          Von der Wetterau nach Berlin:

          Reise in die Kirchenwelt der Zukunft

          PfannemüllerDie Welt in ihrem Kiez verändern - das wollen auch die Mitglieder der Lebensgemeinschaft "Refo." Sie haben die alte Reformationskirche in Moabit zu einem Zukunftsort gemacht.

          Was in Berlin heute schon Normalität ist, bleibt im Rest der Republik noch Zukunftsmusik. Berlin gilt als Zukunftslabor für die bundesdeutsche Gesellschaft – kann sie auch Modelle für die Entwicklung der evangelischen Kirche in der Wetterau aufzeigen?

          Pfannemüller14 Pfarrer*innen und Referent*innen aus der Wetterau sind in Berlin engagierten 
Menschen begegnet und haben einen Blick auf kirchliche Strukturen in der Großstadt werfen können.

          Wie kann auch mit weniger Mitgliedern und weniger Geld eine ausstrahlungskräftige Arbeit geleistet werden? Dieser Frage widmete sich Anfang September eine viertägige Fortbildung des Evangelischen Dekanats Wetterau in Berlin.

          Kirchenmitglieder sind in Berlin in der Minderheit: Nur 16 Prozent der Bevölkerung gehören den großen Kirchen an. Mit einer inhaltlichen Neuorientierung ist es der evangelischen Kirche in Berlin-Mitte gelungen, ihre Strukturen an diese Gegebenheiten anzupassen. „Kirchliche Orte“ heißt das hier mit Erfolg umgesetzte Modell. Soll bedeuten: Kirchen spezialisieren sich auf einen inhaltlichen Schwerpunkt, wie etwa Flüchtlings-, Diakonie-, oder Jugendkirchen. Der Kirchenkreis Berlin-Mitte zählt heute 21 Kirchengemeinden für 90.000 Mitglieder. Im Gespräch mit den Wetterauer Gästen nahm Superintendent Dr. Bertold Höcker kein Blatt vor den Mund: „Die klassische Kirchengemeinde ist ein Modell der Vergangenheit.“ Und er wurde noch deutlicher: „Da können wir nur noch Sterbehilfe leisten.“ Trotzdem gehe es dem Evangelium gut in der Hauptstadt. Dort, wo Traditionelles nicht mehr greife, entstünden neue Gemeinschaften und inspirierende Gottesdienstformen. Höckers Zielrichtung ist klar: „Wir schieben Geld in innovative Projekte.“

          Evangelische Schulen und professionelles Gebäudemanagement

          Wissen über religiöse Bezüge gebe es in der Bevölkerung kaum noch, klärte Höcker auf.  Nur noch sechs Prozent eines Jahrgangs werde konfirmiert. Religiöse Erziehung finde hauptsächlich an Schulen statt. Da die Qualität der staatlichen Schulen zu wünschen übrigließe, zögen engagierte Eltern eine konfessionelle Schule vor. 10.000 junge Berlinerinnen und Berliner besuchen eine evangelische Schule, so der Superintendent. Auf staatliche Unterstützung kann die Berliner Kirche nicht zählen. Da auch die Kirchensteuer nur spärlich fließt, setzt der Kirchenkreis-Mitte auf professionelles Immobilienmanagement und Zusammenarbeit mit Unternehmen. Gebäude seien ein Schatz für die Kirche, glaubt Höcker. In Berlin-Mitte gibt es gewinnbringende Konzepte für die Gebäudenutzung: Kirchen werden vermietet für Konzerte, Kongresse und andere Veranstaltungen. Damit sich die Pfarrerinnen und Pfarrer auf Seelsorge und Verkündigung konzentrieren können, kümmern sich Geschäftsführer um Finanzen und Verwaltung.

          Refo: zwischen Hippie-Kommune und Kommunität

          Dort wo die klassische Gemeindearbeit stirbt, entstehen neue Formen evangelischer Spiritualität. In der Reformationskirche in Moabit ist 2011 ein solcher „Zukunftsort“ entstanden. Unter dem Motto „Kirche unter anderen Umständen“ hat sich eine Lebensgemeinschaft in der alten Kirche gesammelt. 35 Menschen leben hier gemeinsam in zwei Wohnhäusern. „Wir wollen Liebe und Offenheit leben,“ sagt Steve Rauhut, der zu den Gründern der Lebensgemeinschaft gehört. Refo sei für ihn irgendetwas zwischen Hippie-Kommune und Kommunität, sagt der studierte Ingenieur und Theologe. Auf dem Campus im Kiez sind heute gemeinnützige Organisationen beheimatet, eine Kita für 135 Kinder wird von Refo betrieben; ansonsten versteht man sich als Kirche für die Menschen am Ort. Refo ist ein eingetragener Verein, der sich ohne Kirchensteuer selber trägt. Für die Renovierung der Kirche und der Wohnhäuser und den Bau eines neuen Kita-Gebäudes hat der Verein 3,8 Millionen Euro Kredit aufgenommen. Zu Refo gehört ein multi-kulturelles Jugendtheater, momentan entsteht ein Café als Begegnungsort für den Kiez.

          Künstler, Einheimische und Geflüchtete unter einem Dach

          Das Sharehouse Refugio der Berliner Stadtmission in Neukölln bietet ein Haus, in dem Einheimische, Künstler und Geflüchtete zusammenleben. Von den vierzig Menschen, die in dem ehemaligen CVJM-Jünglingsheim ein Zuhause auf Zeit gefunden haben, haben zwanzig einen Fluchthintergrund. Jeder, der hier einziehen will, muss zuerst ein Motivationsschreiben abgeben. „Wir nehmen Leute auf, die etwas in ihrem eigenen Leben und in der Gesellschaft verändern wollen“ erklärte Gerold Vorländer, der bei der Berliner Stadtmission das Arbeitsfeld Mission leitet. Die Berliner Stadtmission ist ein freies Werk, dass zwar unter dem Dach der Evangelischen Kirche arbeitet, aber ohne Kirchensteuern auskommt. Zu ihr gehören 900 hauptamtliche Mitarbeitende in 21 Stadtmissionsgemeinden. Geistliches Leben wird in der Stadtmission großgeschrieben. Grundlage der Arbeit sei das Gebet, sagte Vorländer. „Christliche Mission heißt Menschen zu begegnen und wahrzunehmen, was sie brauchen.“ Die weitgehend entkirchlichte Berliner Gesellschaft empfindet Vorländer nicht als Bedrohung, sondern als Chance. In persönlichen Begegnungen vom Glauben zu erzählen, hält Vorländer für den besten Weg, um Menschen zu gewinnen, die schon seit Generationen nicht mehr mit Kirche in Berührung gekommen sind. Beeindruckt und begeistert zeigten sich die 14 Hauptamtlichen des Dekanats Wetterau. „Dem Evangelium geht es gut!“, zitierte Dekan Volkhard Guth in der Schlussrunde noch einmal seinen Kollegen Höcker. „Darum," so der Dekan, „lasst uns mutig nach neuen Wegen und Formen suchen, die Menschen heute ansprechen und beteiligen!“

          Infos über die Fortbildung findet man auch auf Facebook.

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