Dekanat Wetterau

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          Pfarrerin Gisela Theis im Porträt:

          Seelsorge mit Harfenmusik und Handauflegen

          PfannemüllerPfarrerin Gisela Theis

          Am 21. Oktober um 10 Uhr wird Pfarrerin Gisela Theis in der Bad Nauheimer Dankeskirche in den Ruhestand verabschiedet.

          Im Alter von sieben Jahren liest Gisela Theis während eines Krankenhausaufenthaltes die Bibel vom Anfang bis zum Ende durch. Als Kind, so berichtet sie, sei sie häufig krank gewesen. Beim Bibellesen wächst in ihr das Vertrauen, dass sie ein Kind Gottes ist, von Gott gesehen, gehört und behütet. Diese persönliche religiöse Erfahrung wird das Fundament ihres weiteren Lebenswegs.  Geboren in Bad Kreuznach, zieht sie als Grundschülerin mit ihren Eltern nach Hamburg. Nach dem Abitur beginnt sie eine Ausbildung als Krankenschwester und studiert schließlich Theologie in Bonn und Berlin. Kurz nach dem ersten theologischen Examen wird sie Mutter einer Tochter. 1981 kommt sie als Vikarin nach Friedberg. Als sie 1983 ihre erste Pfarrstelle in Ossenheim antritt, ist sie alleinerziehende Mutter. „Für einige Kirchenmitglieder war das damals ein Affront,“ erinnert sie sich. Damals gehört sie zu den wenigen Frauen im Pfarramt. Gerne denkt sie an bewegte Zeiten in ihrem Vikarskurs zurück: „Wir gestalteten die Morgenandachten und anschließend gingen wir demonstrieren gegen die Startbahn West und den Nato Doppelbeschluss.“

          Wenn sie über ihren Beruf spricht, wird deutlich, dass er ihr zur Berufung geworden ist. Als Pfarrerin hat sie zahlreiche Menschen auf schweren Wegen begleitet. Sie ist Klinikseelsorgerin im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim, und Vorsitzende der Hospizhilfe Wetterau. Zusammen mit Pfarrer Ernst Rohleder leitet sie zudem den ökumenischen Besuchsdienst im Dekanat. In dieser Funktion schult Pfarrerin Theis Ehrenamtliche, die Besuche bei alten und kranken Menschen machen. Als Seelsorgerin müsse man sich zurücknehmen können, um anderen Freiräume zu gewähren. „Es ist auch nach 37 Berufsjahren als Pfarrerin etwas Besonderes, wenn mir jemand Einlass gewährt in seine Welt.“ Manchmal öffne sich bei einem solchen Gespräch ein Horizont der Liebe, sagt sie.

          Gisela Theis hat auch etwas Widerständiges. „Es macht mich wütend, dass heute alles der Wirtschaftlichkeit unterworfen ist,“ sagt die Seelsorgerin. Dieser Druck sei im Gesundheitswesen ganz besonders zu spüren. Für sie sei es ein Ärgernis, dass der von ihr liebevoll gepflegte „Raum der Stille“ im Hochwaldkrankenhaus immer wieder zur Aufbahrung Verstorbener genutzt werde, nachdem der Abschiedsraum anderweitig verwendet wird. Bei dieser Nutzung würden die Vorgaben des Krankenhauses fast ausnahmslos missachtet. „Nicht mal dieser Raum ist von der Ökonomie befreit,“ sagt sie bekümmert. Ihre Bemühung um einen konsequent ökologischen Lebensstil und die Freundschaft mit Menschen aus anderen Kulturen prägen ihre Haltung zum Leben. Es ist die eigene Sehnsucht nach Innerlichkeit und einem erfahrbaren Glauben, die sie antreibt, nach neuen Formen von Spiritualität zu suchen. Wie etwa dem kontemplativen Handauflegen, das sie seit einigen Jahren praktiziert. „Hier können sich Menschen der Heilkraft Gottes öffnen.“ Das Handauflegen sei eine alte christliche Tradition, die zur Heilung auf der Ebene des Geistes, der Seele und des Leibes beitragen könne. Wenn Worte die Menschen nicht mehr erreichen, hilft manchmal Musik. „Wenn die Menschen das möchten, singe ich ein Lied oder spiele Harfe.“ Die Musik gehe direkt ins Herz. Ängste und Schmerzen können durch Musik gelindert werden, hat Theis erfahren. Eine Ausbildung zur Musiktherapeutin vermittelte ihr die nötigen Fähigkeiten dazu.

          Die Hospizarbeit ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch nach ihrer Pensionierung einsetzen wird. Vor einem Jahr wurde das Hospizhaus in Friedberg eröffnet, hessenweit das erste Haus mit einem gemeindenahen Hospizplatz. Dort könne ein Mensch am Lebensende gut von Ehrenamtlichen versorgt werden, freut sich Theis. Schwerkranke und sterbende Menschen zu begleiten, ist keine leichte Aufgabe. Es ist die Kraft, die sie aus ihrem Glauben schöpft und die Theis in ihrem Beruf als Seelsorgerin getragen hat. "Ich konnte den Menschen in schwierigen Situationen Hoffnung schenken, das war mein großes Privileg als Seelsorgerin.“ Zu ihrer Verabschiedung wünscht sie sich keine Geschenke, sondern eine Spende für die Hospizhilfe: IBAN: DE08 5185 0079 0061 0028 39 oder für den Friedberger Nepal-Verein Phoolbaari: IBAN: DE02 5209 0000 0002 0860 00.

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