Dekanat Wetterau

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          Kirchenpräsident und Journalist diskutieren Digitalisierung

          Starke Stimme ist wünschenswert

          Ihm-FahleTalk unterm Turm mit Birgit Arndt, dem Journalisten Dennis Horn und Kirchenpräsident Volker Jung

          BAD VILBEL: Jana heißt die Influencerin der Evangelische Kirche – zu finden ist sie auf Youtube, Facebook und Instagram. Das Thema gehörte mithin zu den Punkten des Podiumsgesprächs „Digital.Gemeinde.Sein“ jüngst in der Christuskirche in Bad Vilbel. Wie verändert Digitalisierung Kirchengemeinden? Wie sehen Zukunftsperspektiven aus? Der hessische Kirchenpräsident Dr. Volker Jung und Dennis Horn, Digitalexperte der ARD, diskutierten zahlreiche Aspekte.

          Ihm-FahleKirchenpräsident Volker Jung

           Birgit Arndt (Leiterin Evangelisches Medienhaus) moderierte, Daniel Scharfenberger begleitete das gut besuchte Ereignis musikalisch. Den Rahmen bot die Reihe „Talk unterm Turm“.

          „Digitalisierung ist vergleichbar mit dem, was wir vorher mit dem Buchdruck und der Industrialisierung erfahren haben“, erklärte Dennis Horn. Fragen seien etwa: Wie kommuniziert die Gemeinde mit ihren Mitgliedern? Auf welchen Wegen ist die Taufurkunde erhältlich? Gibt es Meditations-, Gebets- und Musikangebote im digitalen Raum? Digitalisierung betreffe die komplette Bandbreite des kirchlichen Lebens, sagte er.

          Kirchenpräsident Jung erzählt auf Facebook zwei- bis dreimal wöchentlich über seine Arbeit und erreicht dadurch viele Menschen. „Es ist eine Möglichkeit, Personen anzusprechen“, sagte er. Das Medienkommunikationskonzept der Evangelischen Kirche sehe eine Mischung vor, die auch die klassischen Wege wie Pressemitteilungen und Postweg vorsieht.

          Nach Ansicht des Kirchenpräsidenten stellt sich die Frage, wie digitale Technologie die Organisation durchdringt. „Nutzen wir es konsequent?“ Die Möglichkeit von Videokonferenzen etwa sei ausbaufähig, da dies ein nachhaltiger Weg sei. Ein zweites Feld sei die Kommunikation, ein drittes die Reflexion: zu verstehen, was Digitalisierung leisten kann und wo es Grenzen gibt. Als Beispiel nannte er die künstliche Intelligenz (KI).

          „Wir führen viele technologisch-ethische Diskussionen, beispielsweise zur KI“, bestätigte Horn. Es gebe große Firmen, die solche Systeme im Bewerbungsverfahren einsetzen. Vor den Vorstellungsgesprächen trennten Computer die Spreu vom Weizen, wobei sie auf bisherige Daten zurückgriffen. „Dies mag eine gute Idee sein, wenn nicht in bisherigen Bewerbungsverfahren Frauen benachteiligt worden wären.“ Er halte dies für ein Beispiel, wo eine starke Stimme wünschenswert sei – die vermisse er allerdings an dieser Stelle. „Eine solche Stimme kann Kirche haben, wenn ihre Köpfe im digitalen Raum leben.“ Horn thematisierte den Begriff Influencer, der manchmal abwertend verwendet werde. „Aber diese Menschen haben großen Einfluss auf ihre Zielgruppe und dies oft positiv.“ Influencer funktionierten allerdings nur, wenn sie authentisch seien und eigenständig agieren können. Jung ging darauf ein: „Wir haben die Influencerin Jana aufgebaut, begleiten sie redaktionell im Hintergrund.“ Dies beim gleichzeitigen Versuch, sie authentisch sein zu lassen. „Die Frage ist, ob die notwendige Authentizität durch die Begleitung gebrochen wird“, sagte Jung. Horn empfahl, auf mehrere Influencer zu setzen. Interessant sei eventuell, mit „Sinnfluencern“ ins Gespräch zu kommen: Leuten, die sich zu Themen Gedanken machen.

          Wie kann man Gemeinden motivieren, auf den digitalen Weg zu gehen? Horn würde Beispiele suchen, wo digitale Elemente das Gemeindeleben bereichern können. Zudem würde er Kirche im digitalen Raum überhaupt erst sichtbar machen. Jung hält es für wichtig, die analoge Auffindbarkeit ins Netz zu übertragen und nach Optimierungspunkten zu suchen. „Dann würde ich vorschlagen, Netzwerke zu bilden, um digital miteinander zu kommunizieren. Vielleicht wird der Kreis immer größer, so dass irgendwann die ganze Gemeinde dabei ist.“

          Medienbischof und Digitalexperte
          Dr. Dr. h.c. Volker Jung ist Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Medienbischof der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und Autor des Buchs „Digital Mensch bleiben“. Dennis Horn ist Fachjournalist für Digitalthemen und Digitalexperte der ARD. Er unterrichtet an Journalistenschulen und berät europaweit Redaktionen und Medienhäuser zu Fragen der Digitalisierung. Veranstalterin war die Evangelische Christuskirchengemeinde in Bad Vilbel mit dem Kooperationspartner Hit Radio FFH.

          Text: Petra Ihm-Fahle

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