Dekanat Wetterau

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          Symposium zum Thema Nahtoderfahrungen

          Weder hier noch dort sein

          Ev. Dekanat WetterauKlinikseelsorgerin Barbara Wilhelmi hat erfahren, wie schwer Betroffene über Nahtoderfahrungen sprechen können

          BAD NAUHEIM: Wie fühlt sich ein Mensch, der reanimiert wurde? Damit befasste sich ein interdisziplinäres Symposium des Evangelischen Dekanats Wetterau am Wochenende. Rund 90 Personen waren in Bad Nauheim dabei. Ziel der Veranstaltung in der Klinik Wetterau und Wilhelmskirche war der Blick auf Nahtoderfahrungen und ihre Bewältigung, vorgetragen von Vertreterinnen und Vertretern aus Theologie, Medizin, Anthropologie, Kunst und Kulturwissenschaften.

          Am Ende zog Organisatorin Barbara Wilhelmi ein positives Fazit. „Das Thema ist sehr wichtig für Menschen an der Grenze des Todes und Menschen, die wieder zurückgeholt werden“, unterstrich die Pfarrerin und Klinikseelsorgerin. Vor dem Eintritt in ihren Ruhestand, der Ende des Jahres bevorsteht, wollte die 65-Jährige eine Veranstaltung dazu auf die Beine stellen. „Denn dieser Personenkreis wird oft vergessen.“

          Die theologische Einführung lieferte Dekan Volkhard Guth. „Mit dem Symposion bewegen wir uns irgendwo auf der Schwelle des Lebens: Vom Leben zum Tod und wieder hin zum Leben.“ Schwellensituationen enthielten immer etwas Unsicheres und Verunsicherndes. Es sei weder hier noch dort, weder drin noch draußen. „Auf der Schwelle ist es zugig. Sie ist kein Ort“, sagte der Dekan. Wo Seelsorge einsetzt, verdeutlichte Guth an der Geschichte von Jesus und dem Blindgeborenen. Jesus heilt ihn und fragt: „Siehst du etwas?“ Der Geheilte sagt: „Ich sehe die Menschen umhergehen, als sähe ich Bäume.“ Dieser Satz sei noch Ausdruck einer gebrochenen Wirklichkeit. Jesus justiere daraufhin nach, lege erneut die Hände auf seine Augen, worauf der Mann nun deutlich sieht. Guth: „Jesus wendet sich dem Menschen nochmals zu. Es bleibt nicht dabei: ‚Du siehst – der Rest wird schon wieder.‘ Sondern er verhilft dem, der zurückkommt in die Lebenswelt, klar zu sehen und sich im Leben zurechtzufinden.“

          Einige Redner reisten sehr weit an, beispielsweise Prof. Gàbor Vargyas (Budapest), der sich in den achtziger Jahren zeitweise in Vietnam aufhielt. Er berichtete über „Leben und Tod bei den Bru“, einer dort lebenden Ethnie. Dr. Elena Pushkareva aus Nord-Sibirien präsentierte „Leben und Tod in der Folklore der Jamal-Nenzen in Russland“. Der Blick auf andere Kulturen sei wichtig, konstatierte Wilhelmi: „Es ist eine Bereicherung für unsere Interpretation des christlichen Auftrags, Menschen zu helfen und zu heilen.“

          Elf Vorträge und ein Gottesdienst standen auf dem Programm. Beispielsweise beschrieb Arzt Prof. Dr. Thomas Wendt (Frankfurt) die Nachwirkung von Reanimationen durch Laien-Ersthelfer und dass die Verarbeitung dauern kann. Laut Dr. Ulrich Kiwus, ärztlicher Leiter der Klinik Wetterau, haben Reanimierte nach einem plötzlichen Herztod keine Nahtoderinnerungen. Wovon sie erzählen, stamme aus Schilderungen von Ärzten und Angehörigen. Pfarrerin Wilhelmi hat als Seelsorgerin andere Erfahrungen gemacht: etwa bei Nahtoderlebnissen nach Gewalt oder Operationen: „Diese Ereignisse haben oft lebensverändernde Nachwirkungen.“ Häufig seien die Betroffenen aber nicht in der Lage, darüber zu sprechen – oft sagten sie Dinge wie „Ich bin noch gar nicht wieder hier“. Bei einer Maltherapie träten diese Empfindungen behutsam zutage. Doch was bedeuten Begriffe wie „bewusst“ und „real“? Damit setzte sich Autor und Regisseur Joachim Faulstich (Bad Vilbel) auseinander: „Wir können zwischen Phantasien, Träumen und Realität gut unterschieden.“ Wissenschaftlich sei allerdings ungeklärt, was Bewusstsein sei. „Das alltägliche wache Ich-Bewusstsein ist nur eine von vielen Formen“, erläuterte Faulstich.  Die künstlerische Auseinandersetzung fehlte nicht: mit Beiträgen einer bildenden Künstlerin und klassischen Liedern über Leben und Tod von Ralph Mangelsdorff, begleitet am Flügel von Wolfgang Schneider. Das Symposium schloss am Sonntagmittag mit einer Reflexion der Beiträge – auch mit dem Bezug zu eigenen Erleben.

          Petra Ihm-Fahle

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