Dekanat Wetterau

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Wetterau zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

          AngeboteÜbersicht
          Menümobile menu

          Gedenken an die Porgromnacht in Bad Nauheim

          Zeit heilt längst nicht alle Wunden

          NossSchüler*innen der Solgrabenschule Bad Nauheim mit kreativen Arbeiten gegen Antisemitismus und Ausgrenzung

          Die gemeinsame Gedenkveranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit der Stadt und den Kirchengemeinden Bad Nauheim aus Anlass der Reichspogromnacht fand am 10. November in der Erika-Pitzer-Begegnungsstätte in Bad Nauheim statt. Mit Rücksicht auf die Feier des Gottesdienstes in der jüdischen Gemeinde war sie um einen Tag verschoben worden.

          Mit dem Datum des 9. November verbinden sich eine Reihe historischer Ereignisse, die für die deutsche Geschichte von größter Bedeutung sind: der Beginn der Weimarer Republik 1918, die Öffnung der Berliner Mauer 1989 – aber vor allem der 80. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938. „Keines 9. Novembers kann man ohne die Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 gedenken“ betonte Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier in seiner Rede am 9.11. im Bundestag. Und das tat er aus gutem Grund.

          In der historischen Forschung der vergangenen Jahre ist deutlich geworden, wie vielerorts normale Bürger sich freudig, ja lustvoll an der Demütigung, Ausbeutung und Gewalt gegen die jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn beteiligt haben, bemerkte Pfr. Dr. Noss in seiner Begrüßung im Namen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Evangelischen Kirche. Es war die Katastrophe vor der Katastrophe des Holocaust, der angestrebten Vernichtung aller Juden in Europa. Und wer sich nicht beteiligt hat, hat doch zumindest geschwiegen. Nur ganz wenige, auch in den Kirchen, haben ihre Stimme gegen dieses Unrecht erhoben.

          Insofern geht es immer auch um die Frage der Schuld bzw. der daraus folgenden Verantwortung. Eine Verantwortung, die die Schülerinnen und Schüler der Solgrabenschule mit ihrer Lehrerin, Frau Bode, entdeckt und umgesetzt haben, indem sie sich nach einer Reise nach Krakau und Auschwitz das Erlebte kreativ verarbeiteten um am 9. November in der Schule vorstellten: Sie erinnerten u.a. an die Verfahren gegen Deutsche im Jahr 1946, die sich auch in Bad Nauheim an den Plünderungen beteiligten und so zu Mit-Tätern wurden. Die rekonstruierten und mit Bildern unterlegten Lebensgeschichten von Bad Nauheimern jüdischen Glaubens in der Nazi-Zeit gingen unter die Haut. Die Schlussfolgerung für heute: SGBN (z.B.: "SolGrabenschule Gegen Blöde Nazis") - so vielfältig wie die Schülerschaft ist auch das Leben insgesamt, in der Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz haben dürfen.

          Bürgermeister Kreß betonte, dass die Ereignisse niemals dem Vergessen anheimfallen dürften. Auch in Bad Nauheim waren vor 80 Jahren jüdische Menschen gedemütigt und ihr Besitz geplündert worden. Pfarrer Rühl von St. Bonifatius erinnerte an das Sprichwort „Die Zeit heilt alle Wunden“ – angesichts der schrecklichen Ereignisse ein blanker Zynismus, wie er betonte. Und auch heute gebe es wieder unverhohlenen Antisemitismus, den es abzuwehren gelte. Friederike Müller las aus dem Roman „Der Reisende“, in dem der Autor Ulrich von Boschwitz seine Erfahrungen aus der Pogromnacht literarisch verarbeitet und bereits 1939 erstmals veröffentlicht hatte. Das Manuskript galt lange als verschollen und wurde erst kürzlich in der der Deutschen Nationalbibliothek wiedergefunden. Musikalisch wurde die Veranstaltung begleitet von Schülerinnen und Schülern der Musikschule.

          Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries, dankte abschließend und betonte die Notwendigkeit, sich auch künftig für die demokratische Gesellschaft einzusetzen.

          Dr. Peter Noss

           

           

          Diese Seite:Download PDFDrucken

          to top