Auch das Innere der Markuskirche beeindruckte den jungen Kirchenmusiker damals sofort. Die Emporen, der eindrucksvolle Orgelprospekt, der Raum hinter dem Altar – Uwe Krause hatte schnell eine Vorstellung davon, welche musikalischen Möglichkeiten der Ort bot. „Ich habe die hintere Empore gesehen und wusste gleich: Hier gehören die Bläser hin.“ Besonders die mehrchörige Musik der Renaissance hat es ihm angetan. Für sie, sagt er, sei die Butzbacher Kirche mit ihrer besonderen Akustik ideal.
Vom Posaunenchor zur Kirchenmusik
Seine Leidenschaft für die Musik entdeckte Uwe Krause schon früh. Aufgewachsen ist er im heutigen Bad Emstal. Dort spielte er im Posaunenchor mit rund 70 Aktiven. „Es waren die Geburtstagsständchen, das Musizieren bei Beerdigungen, Gottesdiensten und Gemeindefesten, die den klaren Berufswunsch in mir weckten, Kirchenmusiker zu werden.“
Nach dem Abitur konnte er seine Begeisterung für die Bläsermusik in der Westfälischen Landeskirchenmusikschule in Herford weiterentwickeln. Dann führte ihn sein Weg nach Butzbach.
Von 1990 bis 2011 war Uwe Krause zudem Propsteikantor für Oberhessen-Süd. Seit 2012 ist er Beauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für Kirchenmusik im Rundfunk.
Eine neue Orgel für Butzbach
Als Krause 1986 nach Butzbach kam, war die Orgel in einem sehr schlechten Zustand. Der Kirchenvorstand verband mit dem neuen Kantor deshalb auch die Hoffnung auf eine neue Orgel. „Das hat mich gerade in den ersten Jahren viel beschäftigt, aber auch Spaß gemacht.“
1990 wurde eine neue Orgel durch die Schweizer Orgelbaufirma Metzler in das Orgelgehäuse auf der Orgelempore eingebaut – es ist das zweitälteste historische Orgelgehäuse Hessens. Die Vorgängerorgel wurde 1904 von der Firma Förster&Nicolaus erbaut und steht unter Denkmalschutz. 1990 wurde sie unter der Mithilfe einiger Bläser des Posaunenchores von Uwe Krause an einer anderen Stelle der Kirche wieder aufgebaut. Eine Kirche mit zwei Orgeln – auch das ist bis heute eine Besonderheit.
Unterstützt wurde Uwe Krause in seiner Arbeit seit 1995 durch den Freundeskreis für Kirchenmusik in der Markuskirche.
Von Hessentag bis Silvesterkonzert
Zu den vielen Höhepunkten zählt Krause den Hessentag 2007 in Butzbach mit der Rosenkirche und vielen musikalischen Veranstaltungen. Außerdem auch das offene Singen in der Markuskirche in der Adventszeit, die Bläsermusiken zum Jahresbeginn des Posaunenchores sowie verschiedene Jazz-Veranstaltungen.
Immer wieder begeistert hat ihn die Zusammenarbeit mit verschiedenen Komponistinnen und Komponisten. „Das gibt mir Inspiration und Motivation.“ Überhaupt war es die Zusammenarbeit mit Menschen, die seine Arbeit geprägt hat.
Das gilt besonders für den Posaunenchor, den Krause vier Jahrzehnte dirigierte. Außerdem bildete er zahlreiche Jungbläser aus. „Zu sehen, wie die Kinder wachsen, lernen und sich entwickeln, wie begeistert sie sind und wie viele über lange Zeit dabeibleiben – das hat mir immer große Freude gemacht."
Rund 25 bis 30 Auftritte im Jahr hat der Posaunenchor bei Gottesdiensten und Festen der Gemeinde, aber auch bei Dekanatsveranstaltungen. Wenn mal ein Instrument fehlte, sprang der Kantor selbst ein und spielte Posaune oder Tuba oder Trompete.
Mit der Kammerphilharmonie Bad Nauheim führte ihn die Musik sogar bis nach China. Mit dem Chor der Pekinger Staatsoper spielte das Ensemble dort vor rund 7.000 Menschen den Schlusschor aus Beethovens 9. Sinfonie.
Zeit für neue Musik
Nun beginnt für den Kantor ein neuer Lebensabschnitt. Und der fällt ihm durchaus nicht ganz leicht. „Ich muss lernen, loszulassen. Das ist schwer, geht aber.“ Besonders, weil noch kein/e Nachfolger/in gefunden wurde.
Ganz ohne Musik wird der Ruhestand allerdings nicht ausfallen. Uwe Krause will weiterhin an verschiedenen Orten Orgelkonzerte spielen. Darüber hinaus freut er sich vor allem auf die neue Freiheit, seine Zeit selbst einteilen zu können und sie zum Beispiel im Garten seines Zuhauses in Süddeutschland verbringen zu können.
Am Samstag, 12. September 2026, um 15 Uhr wird Uwe Krause in der Markuskirche in Butzbach mit einem Gottesdienst verabschiedet. Zum Gottesdienst und zum anschließenden Empfang sind alle Interessierten herzlich eingeladen.