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Die Quelle fließt

Wer an mich glaubt, so sagt es die Heilige Schrift: Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen. (Johannes 7,38)

Was für ein Bild! Was für ein Versprechen! Jesus spricht es den durstigen Menschen zu, den Menschen, die sich nach Leben in Fülle sehnen.

Wir Menschen versuchen meist, uns selbst zu füllen, - mit Essen und Trinken, mit Eindrücken von Reisen, von Filmen, mit Festen, mit Nachrichten aller Art, mit Arbeit und vielem mehr. Womit fülle ich mich gerade? Werde ich satt von dem, mit dem ich mich fülle? Oder bleibe ich leer?

Mit einem Leben, das Bedeutung und Gewicht hat, das sinnerfüllt ist, kann ich mich gar nicht selbst füllen. Ich kann es nur als Geschenk erfahren. Ich brauche dazu Vertrauen, Vertrauen auf Christus, auf seine göttliche Gegenwart in mir.

Wir kennen die Redewendung: „Vertrauen üben.“ Manchmal ist das Vertrauen einfach da, manchmal sind wir wieder neu auf dem Übungsweg. Die Gestalten dieses Weges sind vielfältig. Doch er wird sich immer auf die Gegenwart Gottes im eigenen Leben ausrichten, immer wird es eine Form des Gebetes sein. So  können wir beispielsweise beim Pilgern mit unseren Füßen beten, beim Singen mit unseren Stimmen, beim Sprechen mit eigenen oder geliehenen Gebetsworten oder im Gebet der Stille mit unserem schlichten Dasein.

Jesus zog sich immer wieder zum Beten zurück in die Stille und trank aus der Quelle, die er „Vater“ oder „Gott“ nannte. So war er selbst Quelle: Heilende Worte, heilende Gesten, heilende Widerworte strömten aus seinem Leib. In seiner Nähe und Nachahmung können wir uns mit dieser Kraftquelle verbinden lassen. Dann strömt auch von unserem Leib lebendiges Wasser. Es strömt aus unserer Präsenz. Wir müssen dabei nichts machen, nur horchend da-sein.

Das, was dann fließt, bleibt nicht bei uns. Es wird zu anderen fließen, andere stärken und ermutigen in Worten und Taten, es wird für andere heilsam sein. Martin Luther hat als christliches Leben beschrieben, dass der Mensch als Mittel zwischen Gott und dem Nächsten gesetzt wird, „das er von oben empfängt und unten wieder ausgibt und gleichsam ein Gefäß oder Rohr wird, durch welches der Brunnen göttlicher Güter ohne Unterlaß fließen soll in andere Leute.“ (WA 10, I/1, 100)

Die Quelle fließt immer – auch für uns.

Gisela Theis, Pfarrerin i. R. 
Mitglied im Arbeitskreis am Geistlichen Zentrum