Nach ihrer ersten Pfarrstelle in Frankfurt-Sossenheim, die sie sich mit einem Kollegen aus dem Vikariat teilte, folgte zunächst eine übergemeindliche Aufgabe: Im Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau arbeitete sie als Referentin für Kindergottesdienst. Die Stelle war befristet – und sie spürte bald, dass ihr etwas Wesentliches fehlte. „Ich vermisste den Kontakt zur Gemeinde", sagt sie rückblickend.
Konfirmandenarbeit in Florstadt & Dekanatsjugendpfarrerin
Ihr Weg führte sie so 2007 ins Evangelische Dekanat Wetterau, mit einer halben Gemeindestelle in Florstadt. Zuständig für die Konfirmandenarbeit gemeinsam mit einem großen Konfi-Team, prägte sie dort eine lebendige Jugendarbeit. Gleichzeitig arbeitet sie mit einer zweiten halben Stelle als Dekanatsjugendpfarrerin im Dekanat Wetterau.
Wechsel nach Cleeberg und Espa
2013 wechselte Birgit Müller schließlich in die Kirchengemeinde Cleeberg-Espa, die heute Teil der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Nördlicher Wetterau ist. Cleeberg kannte sie schon länger, weil dort ihre Pferde untergebracht sind. Auch dort blieb ihr die Arbeit mit jungen Menschen ein Herzensanliegen und so baute sie auch dort ein Konfi-Team auf – in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit Kollegin Cornelia Hankel in Nieder-Weisel.
Von der Großstadt aufs Land
Obwohl sie aus der Großstadt kommt, möchte sie das Leben auf dem Dorf nicht mehr missen. „Man unterstützt sich gegenseitig und ist füreinander da. Wenn mein Auto mal wieder nicht anspringt, weiß ich genau, wo ich Hilfe bekomme", sagt sie mit einem Lächeln. Vor Ort begleitet sie Menschen von der Taufe bis zur Aussegnung am Sterbebett – nah, verlässlich, präsent. Aber: „Mit zwei halben Stellen kam immer irgendetwas zu kurz", beschreibt sie offen eine Herausforderung, die ihren Alltag prägte. Hinzu kamen zeitweise auch gesundheitliche Probleme. Und doch: Was sie in dieser Zeit säte, trägt heute Früchte. Immer wieder habe sie Kontakt mit Ehemaligen aus dem Konfi-Team, die heute in kirchlichen oder sozialen Berufen engagiert sind, erzählt sie sichtlich stolz.
Neue Formen von Gottesdienst
„Gottesdienste unterwegs“ wurden ein weiteres ihrer Markenzeichen: Gottesdienste mit gemeinsamen Wegstrecken, auch mal bei Mondschein, Gottesdienste im Wald, an einer Quelle oder mit Tieren. Dabei war die Teamarbeit für sie stets zentral, ob mit Haupt-oder Ehrenamtlichen.
Von der Jugend zur Altenseelsorge
Als die Jugendpfarrstelle im Dekanat gestrichen wurde, öffnete sich eine neue Tür: die der „vernetzenden Altenseelsorge“ mit einer halben Stelle fürs Dekanat Wetterau. Für Birgit Müller war das keine Verlegenheitslösung, sondern „ein Geschenk“: „Das Thema hat mich schon immer interessiert, und der Wechsel von den Jugendlichen zu den älteren Menschen fühlte sich stimmig an." Gemeinsam mit Pfarrer Ernst Rohleder bildete sie Ehrenamtliche für den Besuchsdienst aus, begleitete und stärkte sie in ihrer Arbeit. Außerdem organisierte sie Thementage, etwa zur „Demenzsensiblen Gemeinde" oder zu „Begegnung mit Einsamkeit“.
Gelassener Blick in die Zukunft
Der Weg hin zur heutigen Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Nördliche Wetterau sei für alle Beteiligten ein intensiver Prozess gewesen, der sehr viel Zeit und Ausdauer kostete. „Ich bin froh, dass ich diesen Weg mitgehen konnte – aber den Staffelstab nun weitergeben darf“, sagt sie. Auf die Zukunft blickt sie gelassen: „Ich freue mich, frei in der Gestaltung meiner Zeit zu sein – eine Woche wegzufahren, ohne eine Vertretung organisieren zu müssen; mich ins Café zu setzen und zu lesen; Zeit für Freundschaften und für meine Tiere zu haben." Dasselbe eben, was sie in ihrer seelsorgerlichen Arbeit vielen anderen geraten hat: nachspüren, was einem gut tut.
Abschied am 19. April
Am Sonntag, den 19. April wird Pfarrerin Müller im Gottesdienst um 11 Uhr in der Kirche in Cleeberg, Denkmalsweg 1, durch Dekan Volkhard Guth entpflichtet. Im Anschluss wird im Bürgerhaus gefeiert. Da wünscht sie sich möglichst keine feierliche Grußworte - stattdessen viel Zeit für Begegnungen, ganz im Sinne eines lebendigen Gemeindefestes.