Im EKD-Büro Brüssel hat Ulrike Truderung die Delegation empfangen, um den Anwesenden das Brüsseler „Förderlabyrinth“ zu erläutern.
Für eine erfolgreiche Antragstellung sollte zunächst recherchiert werden, ob und wenn ja welche Förderprogramme für das angedachte Vorhaben relevant sind. Wichtig herauszufinden ist ebenfalls, welcher Zwecke mit den Fördermitteln bewirkt werden soll und welche speziellen Aktivitäten im Rahmen des gewählten Förderprogramms überhaupt gefördert werden können. Maßgeblich für einen positiven Bescheid eines Projekts ist dabei vor allem die Planungsqualität und die inhaltliche Relevanz des Antrags. Die EU-Programme haben eine Laufzeit von jeweils sieben Jahren, die jetzige Förderdekade laufe im Jahre 2027 aus.
Ermutigend war zu hören, dass die EU-Fördergelder nicht die einzigen verfügbaren öffentlichen Fördermittel in Deutschland sind, sondern sie existieren parallel zu den bestehenden Fördermöglichkeiten auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene, wie auch zu Stiftung und anderen Drittmittelgebern.
Zentral stehen in der aktuellen Förderperiode die Bereiche:
- ‚Europäischer Grüner Deal‘ und damit u.a. die Reduzierung der CO2-Emmissionen um 55%.
- ‚Digitalisierung‘, mit der die Europäer ihre Souveränität ausbauen sollen und europäische Standards setzen soll und die
- ‚Europäische Säule Sozialer Rechte‘. Drei Schwerpunkte gibt es hier: Chancengleichheit und gleichberechtigter Zugang zum Arbeitsmarkt, faire Arbeitsbedingungen sowie Sozialschutz und Inklusion. Dies bildet die Richtschnur für ein starkes, soziales Europa, das gerecht und inklusiv ist und Chancen für alle bieten soll.
Das Prinzip der geteilten Mittelverwaltung wird u.a. in den folgenden Förderprogrammen angewendet:
- Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)
- Europäischer Sozialfonds+ (ESF+)
- Europäischer Landwirtschaftsfonds mit Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER), woraus das Programm LEADER finanziert wird;
- Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) und INTEREG
Durch den ESF, EFRE und INTEREG werden die Bereiche Bildung, Digitalisierung, Integration, Gesundheit und soziale Daseinsvorsorge unterstützt. In den beiden letztgenannten Programmen EFRE und INTEREG werden überdies Bau- und Renovierungsmaßnahmen unterstützt.
Dekan Volkhard Guth interessierte sich ganz besonders für die EU-Programme, die den Transformationsprozess der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau befördern und die Demokratiebildung und -stärkung im Fokus haben, denn die Umsetzung im Dekanat sei vorranging geboten. Hier stünden insbesondere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Fokus. Diese notwendigen Transformationsprozesse beziehen sich außerdem auf die Gebäude im Bereich des Dekanats.
Die Projekte in Butzbach wie „Demokratie leben!“, Sozialer Zusammenhalt, Gemeinwesenarbeit aber auch die Initiative Reallabor 'Demokratikum‘ zeigten diesbezüglich in die richtige Richtung.
Zudem war in Brüssel zu erfahren, dass die „Europäische Stadtinitiative“ Projekte fördert, in denen innovative und experimentelle Lösungen für Probleme und Herausforderungen in europäischen Städten erarbeitet werden. Die Antragstellung geschieht im Konsortium aus lokalen Partnern unter der Federführung einer städtischen Einrichtung, die den Antrag einreichen muss. Kleine Städte können sich im Verbund zusammenschließen. Die max. Fördersumme pro Projekte liegt bei 5 Mio. EUR aus EU-Mitteln, die Kofinanzierungsrate durch EU-Mittel beträgt bis zu 80 % der förderungsfähigen Projektkosten. Anträge kirchlicher Einrichtungen sind unter dieser Prämisse ebenfalls förderfähig.
Dekan Guth betonte, dass die Reise nach Brüssel neue Impulse für die Region frei setzen wird und mit stärkeren europäischen Kooperationen gerechnet werden könnte.
Text: Aaron Löwenbein