Im Dekanat übernimmt sie eine sogenannte „Springerstelle“, wird also keiner Kirchengemeinde zugeordnet, sondern unterstützt dort, wo Entlastung gebraucht wird, und setzt zugleich eigene inhaltliche Akzente. Ihr Einsatz erfolgt in direkter Absprache mit dem Dekan. Ihren Dienst startet sie ab März.
Seit 1988 war Braunberger-Myers Pfarrerin der St. Paulsgemeinde an der Alten Nikolaikirche in Frankfurt. Neben der klassischen Gemeindearbeit gehörte dort die Stadtkirchenarbeit für das Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach zu ihrem Auftrag. Die Alte Nikolaikirche, unmittelbar am Römerberg gelegen, ist täglich Anlaufstelle für Menschen aus aller Welt: Touristinnen und Touristen, Berufstätige, Suchende, Gläubige unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. „Diese tägliche Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Nationen, Religionen, Altersgruppen und Lebensumstände hat meine Haltung geprägt“, sagt sie rückblickend. Besonders begleitet hat sie dabei das Thema „Offene Kirche“ – ein Schwerpunkt, den sie nun auch in der Wetterau einbringen kann.
Was bringen offene Kirchen - der Gemeinde, den Menschen, der Kommune? Für Braunberger-Myers sind sie geistliche Orte, aber auch Räume der Begegnung, der Stille und der gesellschaftlichen Verständigung. Niedrigschwellige Angebote, verlässliche Öffnungszeiten und eine klare geistliche Präsenz können Kirchen zu wichtigen Ankerpunkten im öffentlichen Raum machen.
Die Region ist ihr nicht fremd – im Gegenteil: Ihr Vikariat absolvierte sie in den 80er Jahren in Schwalheim. Ausgebildet wurde sie am Theologischen Seminar in Friedberg, dem heutigen Sitz des Dekanats. „Ich war sehr gerne hier, habe eine prägende und gute Zeit erlebt“, erinnert sie sich. Kontakte von damals bestehen bis heute. Nun kehrt sie in eine Region zurück, die sie auch durch ein anderes Thema gut kennt: den Lutherweg 1521, der auch durch die Wetterau führt. Ihr Ehemann, Pfarrer Jeffrey Myers, arbeitete für den Evangelischen Verein für Innere Mission Frankfurt und war bis 2017 als Reformationsbeauftragter der Landeskirche unter anderem für den Lutherweg 1521 in Hessen zuständig.
Ihr Frankfurter Dienstauftrag ist nun beendet – doch an Ruhestand denkt die 67-Jährige noch nicht. „Ich habe der Kirche noch manches mitzugeben“, sagt sie. Als stellvertretende Dekanin in Frankfurt, im Dekanatssynodalvorstand und als Synodale hat sie immer wieder kirchenleitende Verantwortung übernommen und die Entwicklung der Kirche aktiv mitgestaltet.
Die Verbindung von evangelischer Kirche und Demokratiebildung liegt Braunberger-Myers ebenfalls besonders am Herzen – nicht zuletzt durch ihr bisheriges Wirken als Pfarrerin der ehemaligen Gemeinde der nahegelegenen Frankfurter Paulskirche, wo sie 2023 das Fest zum 175. Jubiläum der ersten deutschen Nationalversammlung an diesem Ort mitgestaltete. Auch in der Wetterau sieht sie spannende historische Orte, an denen sich diese Verbindung weiterdenken lässt.
Doch noch ist das alles nicht festgelegt. „Erstmal ankommen, zuschauen, zuhören“, beschreibt die Mutter eines Sohnes ihre Haltung. Sie möchte herausfinden, was die Menschen vor Ort bewegt. Gottesdienste feiert sie „sehr gerne in allen Formen“, von klassisch bis experimentell. „Ich freue mich auf kleine und große Orte“, sagt sie – und meint damit nicht nur die Kirchengebäude.