Die Geschichte der Menschen mit Gott beginnt gemäß dem zweiten Schöpfungsbericht der Bibel in einem Garten (Genesis 2,4b - 3,24). Vergleichbare Schöpfungserzählungen vom Paradies gibt es auch in anderen Kulturen Vorderasiens.
Die Zukunft der Menschen hingegen führt in die Ewigkeit Gottes, beschrieben als Heilige Stadt, das Himmlische Jerusalem, umgeben von einem Garten und einer hohen Mauer (Offenbarung 21 und 22). Dazwischen liegt ein langer Weg Gottes mit den Menschen, in Jesus Christus erscheint Gott selbst unter den Menschen.
Sowohl zu Beginn wie zum Ende der biblischen Texte spielt der Baum des Lebens eine Rolle, genannt auch Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Adam und Eva dürfen zu Beginn nicht davon essen, am Ende der Zeit spenden unzählige Bäume des Lebens Früchte und Blätter „zur Heilung der Völker“ (Offenbarung 22,2).
Der deutsch-peruanische Künstler Francisco Oswald hat zum Rosenfest 2026 für die evangelische Kirche in Steinfurth ein Kunstwerk geschaffen, das diese besondere Geschichte Gottes mit den Menschen abbildet. Er verwurzelt den Baum des Lebens, als Apfelbaum, ein Rosengewächs, im Himmel, indem er seinen Baum, eine Esche aus Steinfurth, an die Decke der Kirche hängt. Rosenblüten hängen von ihm herab. Und berühren fast die Besuchenden. Adam und Eva malt der Künstler auf Tafeln aus Steinfurther Kirschholz, geschnitzt zu mächtigen Flügeln. Sie sind inspiriert von den Flügeln, die der Maler Marc Chagall seinen biblischen Figuren als göttliches Merkmal mit auf den Weg gab. Sie erinnern aber auch an Oswalds peruanische Herkunft, wo die Flügel des Adlers eine wichtige Rolle in der indigenen Kunst spielen.
Der Glaube findet bei Gott im Himmel seinen Anker. Die Menschen sind zwar aus dem Paradies, in dem der Lebensbaum wurzelt, „hinausgeflogen“, bekommen aber Flügel, um sich erneut zum Himmel auszustrecken. Gleichzeitig blicken Adam und Eva zum Altar mit dem Kreuz Christi und nehmen so die Perspektive der gottesdienstlichen Gemeinde ein - ein großes Zusammenspiel von Vertikale und Horizontale, die den Glauben beschreibt.
Das Kunstwerk ist noch bis einschließlich 4. Oktober in der Evangelischen Kirche in Steinfurth (Steinfurther Hauptstraße 40, 61231 Bad Nauheim) zu den Öffnungs- und Gottesdienstzeiten zu sehen. Die Kirche ist freitags bis sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr für alle geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Gottesdienstzeiten entnehmen Sie bitte der Homepage: www.evangelisch-in-bad-nauheim.de.
Text: Andrea Braunberger-Myers, Pfarrerin
Entwicklung u. Umsetzung: Bildhauer Francisco Aguilar-Oswald, www.atelier-four-seasons.com
Konzept und Aufhängung der Installation: Werner Ruf, www.der-ruf-der-rose.de
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt der Stadt Bad Nauheim und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bad Nauheim und Ober-Mörlen