Sonntagswort: Fanziskus auf der Spur

veröffentlicht 14.06.2026, Evangelisches Dekanat Wetterau

Pfarrerin Claudia Ginkel, Evangelische Friedensgemeinde Friedberg, schreibt einen Impuls zum Innehalten im Alltag.

Einmal auf dem Jakobsweg zu laufen ist auch viele Jahre nach Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ immer noch Trend. Ein nicht ganz so populärer, aber nicht weniger interessanter Pilgerweg ist der Franziskusweg. Sein Ziel ist die Stadt Assisi in Umbrien in Italien. Vor einigen Jahren bin ich auf ihm mit einer Pilgergruppe gewandert und war begeistert. Viele Stationen auf dem Weg haben einen ganz besonderen Bezug zum Leben und den Glaubenserfahrungen des Franz von Assisi. 

Sein Lebensstil war geprägt von einer besonderen Verbindung zur Natur. Wasser, Erde, Feuer, Sonne und Mond oder auch die Tiere nannte er liebevoll seine Geschwister. Um in noch engerem Kontakt mit der Erde zu sein, entschied er sich eines Tages, fortan nur noch barfuß zu laufen. Und gerade mit dieser Entscheidung macht er uns auf etwas aufmerksam, was uns heute verloren zu gehen droht. 

In unserem Alltag sind wir oft sehr schnellfüßig unterwegs. Vielfach hetzen wir von einem Termin zum nächsten und kommen kaum mehr zur Ruhe. Wie wäre es da, sich zwischendrin einmal tatsächlich für 5 Minuten die Schuhe auszuziehen und den Boden unter sich bewusst wahrzunehmen? Die Erde, die mich trägt und mir Stand verleiht. Und dann ganz langsam einmal einen Fuß nach dem anderen aufzusetzen. Die Wärme, die Kälte, die Beschaffenheit des Bodens in meinen Fußsohlen spüren. Einen Moment innehalten, den Luftstrom durch meine Nase wahrnehmen. 

Diese kleine Unterbrechung mitten im Tag kann eine kleine Übung sein, die dem Tempo unserer Zeit, in der viele sagen „Meine Seele kommt nicht mehr mit“, versucht etwas entgegenzusetzen. Franz von Assisi war ein Meister darin, wie es gelingen kann, mit sich und der Natur und mit Gott (wieder) in Verbindung zu kommen. Es tut gut, sich an seinem 800. Todestag in diesem Jahr an ihn zu erinnern und sich von ihm inspirieren zu lassen. Und: seiner Spur auf dem Franziskusweg zu folgen ist ohne Zweifel ein Gewinn!