Vielleicht kennen Sie diese Situationen: Die Reise ist lange gebucht, doch kurzfristig wird Ihr Flug auf unbestimmte Zeit verschoben. Oder Ihr Auto muss wegen einer plötzlich aufgetretenen größeren Panne in die Werkstatt, obwohl Sie am nächsten Tag in den Urlaub losfahren wollten. Dazu hat noch ein Bordstein seine eigenen Pläne mit Ihnen für Ihre Urlaubszeit vor: Sie stürzen und bekommen ein gebrochenes Bein. Der Urlaub ist endgültig gelaufen.
Manchmal fühlt es sich an, als hätte sich die Welt gegen einen verschworen – als ob mit dem Schicksalsfaden ein sadistischer Ränkeschmied spielte und auf jeden Schlag die nächste grausame Wende folgte. Bei derartigen Pechsträhnen denke ich oft an Hiob aus dem gleichnamigen Buch im Alten Testament:
Eine Schreckensbotschaft nach der anderen ereilt Hiob, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Er verliert seinen Besitz, dann seine Familie und schließlich auch seine Gesundheit. Hiob kann nicht begreifen, warum das Schicksal (oder etwa Gott?) ihm so übel mitspielt. Doch obwohl Hiob nach und nach ins tiefste Elend stürzt, zweifelt er nicht an Gott – und wird schließlich für sein standhaftes Vertrauen zu Gott von diesem belohnt. Das Vertrauen zwischen Hiob und Gott bleibt in dieser Geschichte gegenseitig und führt so für beide zu einem positiven Ende.
Das alttestamentarische Gottesbild mag uns heute fremd erscheinen, aber Hiobs Geschichte besticht durch eine eigentümliche Zeitlosigkeit. Lehrt sie uns doch, dass Schicksalsschläge nicht selbstverschuldet sind und dass wir auch in unserer Verzweiflung – ja, gerade dann – hoffen dürfen, dass der Schicksalsschlag „nicht das letzte Wort behält“. Denn die Hoffnung durch den Glauben kann uns helfen, unser Leben mit all seinen Herausforderungen gelassen anzunehmen. Dann können wir erkennen, welche Möglichkeiten sich für jeden von uns bieten. Eine irisches Sprichwort fasst die Hiobsgeschichte mit den Worten zusammen: „Wenn Gott eine Tür zuschlägt, dann macht er aber auch ein Fenster auf.“ Lass(t) uns den Mut und die Kraft haben, es zu finden.