Sonntagswort: Leben und Sterben

veröffentlicht 01.11.2026 von Rudolf Göttle, Evangelisches Dekanat Wetterau

Pfr. Rudolf Göttle, Pfarrvikar im Pastoralraum Wetterau-Mitte, schreibt einen Impuls zum November.

Liebe Schwestern und Brüder,

wissen Sie, warum der November so heißt? Sein Name kommt aus dem Lateinischen: Novem bedeutet neun, der neunte Monat – im antiken Rom war er das, weil damals der Jahresbeginn Anfang März gefeiert wurde. 450 v. Chr. gab es eine römische Kalenderreform, seitdem beginnt das Jahr Anfang Januar, der November ist somit der elfte Monat, aber er behielt seinen alten Namen bei. 

Auf der Nordhalbkugel ist er der Herbstmonat, der zum Winter führt: das Herabfallen der Blätter von den Bäumen, die Pflanzen, die sich für die Kälte rüsten, damit das Leben in ihnen im nächsten Frühjahr wieder aufbrechen kann – deutlicher als im November kann man es in der Natur nicht erleben, wie sich der Zyklus von Leben, Sterben und Weiterleben vollzieht. Kein Wunder, dass das Gedenken an die Verstorbenen in diesem Monat besonders im Mittelpunkt steht: Allerheiligen (01.11.), Allerseelen (02.11.), Volkstrauertag (15.11.) und Totensonntag (22.11.). 

Der Umgang mit Sterben und Tod gehört zu den größten Herausforderungen menschlichen Lebens und hat deswegen eine elementare Bedeutung in allen Religionen: wie geht es möglicherweise / hoffentlich im Tod weiter? Welche Bedeutung hat der Tod für das Leben, und welche hat das Leben für den Tod? Wenn wir wollen, kann der November und die Gedenktage für unsere Verstorbenen ganz im Zeichen von Hoffen und Erinnern stehen. 

Papst Johannes XXIII. (1958-63) einmal gesagt hat: „Unsere Toten sind nicht fern, sondern nur unsichtbar“. Wenn wir das glauben, bleiben wir in engem Kontakt mit denen, die wir vermissen, die ein wichtiger Teil unseres Lebens bleiben. Und der „November“ sagt uns: Die Liebe bleibt, sie überwindet alles, auch den Tod! Wenn dir jemand fehlt, dann sprich mit ihm / mit ihr, erinnere dich an das Schöne, und sei dankbar für alles Gemeinsame. Zünde eine Kerze an, bete für ihn / sie, und lass dich stärken durch Glaube, Liebe und Hoffnung – die größten Kräfte im Leben, die alles zum Guten führen!