Sonntagswort: Palmsonntag

veröffentlicht 29.03.2026, Evangelisches Dekanat Wetterau

Peter Hohmann, Prädikant aus Bruchenbrücken, schreibt einen Impuls zur Bedeutung des Palmsonntags heute.

Ein schlicht gekleideter Mann kommt auf einem Esel in eine große Stadt und wird von Menschmengen wie ein König empfangen – kaum eine andere Szene symbolisiert die Wahrnehmung Jesu als Messias so treffend wie diese, derer am Palmensonntag gedacht wird: Jesus reitet auf dem Lasttier des einfachen Volkes durch Jerusalem und wird mit Palmenwedeln und unter „Hosianna“-Rufen als Heilsbringer bejubelt.

Um sich zu vergegenwärtigen, wie erstaunlich diese Szene damals gewirkt haben muss, kann man sich Folgendes vorstellen: Wie würde es heute aussehen, wenn ein unscheinbarer Mensch auf einem Drahtesel durch die Alleen einer Hauptstadt führe und dabei einen Aufruhr an Jubelnden verursachte? Kein Wunder, dass den Mächtigen jener Zeit mulmig zumute wurde: Ihre Herrschaft hing von der breiten Zustimmung der Bevölkerung ab.

Jesus wusste, dass er sich durch sein Auftreten in Gefahr brachte: Es dauerte keine Woche, bis er gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet wurde. Die euphorische Stimmung der Straßen war in blanken Hass umgeschlagen. Trotzdem stellt der Palmsonntag einen Höhepunkt im Wirken Jesu dar. Auch heute noch ist er ein Fest der Freude. In einer Zeit des zunehmenden Säbelrasselns und der immer mehr enthemmten Machtinszenierungen erinnert er uns daran, dass man auch mit Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit Menschen berühren kann. Besonders Jesus' unbeirrter Einsatz für Nächstenliebe, an dem er mutig trotz Lebensgefahr festhielt, bleibt gerade in diesen unruhigen Tagen ein leuchtendes Vorbild, das uns Hoffnung gibt - trotz alledem.