An Pfingsten erzählen wir vom Wirken des Heiligen Geistes. Wie Feuer und Wind kommt der Geist Gottes herab und öffnet das Herz und den Mund eines Menschen. Und weil der Heilige Geist damals in Jerusalem auf solche Weise gewirkt hat, ist er heute überall dort nicht fern, wo die Sehnsucht nach Gott eine Sprache findet. Nicht irgendeine fremde Ausdrucksweise, sondern die Sprache des je eigenen Lebens: die Sprache meiner Freude, die Sprache meiner Gebete, die Sprache meiner Bedürftigkeit – die mich auf Gott verweist. Wo ein Mensch erkennt: Ich bin noch nicht fertig, ich bin auf dem Weg, ich bin auf Ergänzung angewiesen – da öffnet er sich, ist sich selbst nicht genug. Möchte die Meinung des anderen kennenlernen. Möchte durch das Vertrauen der Mitmenschen Gott neu begegnen. Sucht das Verbindende zwischen den Menschen. Geht auf den Nächsten zu, indem er einen Schritt zurückgeht. Wer entdeckt, dass sein Leben eine „frohe Botschaft“ enthält, ja, selbst Evangelium ist, für den ist Jesus Christus keine vergangene Geschichte mehr. Es ist Pfingsten geworden.
Ich kann mich noch gut erinnern. Es war auf der Rückfahrt von einer Einkehrtagung. Ich saß im Zug. Vor meinem inneren Auge ließ ich die vergangenen Erlebnisse Revue passieren. Die Spaziergänge, die geistlichen Impulse, die Erfahrung der Stille, die dazu führte, dass ich selbst ruhiger wurde. Friede sei mit Euch. Diese Worte, die Jesus am Ostermorgen zu seinen Jüngerinnen und Jüngern sagt, wiederholte ich immer wieder. Ich sagte mir, Gott sagt zu Dir: Ich bin mit Dir im Frieden. Müde und den Kopf voller Fragen hatte ich Rat und Rückzug gesucht. Nun hatte mir – ich kann es nicht besser sagen – Gott selbst Herz und Mund für die mich umgebende Gegenwart der Güte geöffnet. Weihnachten und Ostern waren nicht länger eine vergangene Geschichte. Es war Pfingsten geworden. Mir war zu Bewusstsein gekommen, dass ich selbst ein lebendiger Teil der Geschichte Gottes bin, immer schon war. Ich sah aus dem Fenster. Die Landschaft zog an mir vorüber. Und ich spürte, wie ich meine Freude über diesen Frieden mit anderen teilen und ihnen sagen wollte, wie reich ein Leben mit Gott macht.
Jetzt habe ich Ihnen eine persönliche Pfingstgeschichte erzählt. Wie geht Ihre Pfingstgeschichte? Welche Sprache spricht aus Ihrem Leben, Ihrer Sehnsucht, Ihrer Gottsuche? Ich mache Ihnen Mut, davon zu erzählen. Wie klein oder groß die Geschichte auch sein mag. Die Worte, die von Herzen kommen, führen zusammen, schaffen eine grenzüberschreitende Gemeinschaft in bunter Verschiedenheit. Es wird Pfingsten. Und dann wird es sein, als hörten wir einander „in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.“ (Apostelgeschichte 2, 11). So wird die Kirche Jesu Christi jenseits und inmitten von Konfessionen und Institutionalisierungen stets neu geboren, dort, wo Gottes Geist das Herz und den Mund eines Menschen öffnet. Und das geschieht heute… Überall!
In diesem Sinne wünsch ich Ihnen ein frohes Pfingstfest!