Sonntagswort: Resozialisierung

veröffentlicht 13.09.2026 von Wolfgang Dittrich, Evangelisches Dekanat Wetterau

Wolfgang Dittrich, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Wetterau schreibt den Impuls für dieses Wochenende.

Ein Mann begeht einen Banküberfall. Er bedroht eine Angestellte mit einer Pistole und fordert sie auf, ihm Geld auszuhändigen. Er wird gefasst und wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Die Tat begründet er unter anderem mit dem „Ausdruck einer persönlichen Krise und einer Flucht aus meinem Lebensumfeld“. 

Mittlerweile hat der Mann seine Strafe verbüßt, führt nach eigenen Angaben ein „unbescholtenes Leben“ und spricht vom größten Fehler seines Lebens. Nach diesen Aussagen scheint hier eine Resozialisierung in die Gesellschaft gelungen. 

Resozialisierung ist eine der Errungenschaften unserer christlich-humanistischen Gesellschaft, die sich an Vergebung und Menschenrechten orientiert. Der Mann durfte seine Strafe im offenen Vollzug verbüßen. Dieser gilt als wichtigste Stufe zur Resozialisierung. Man kann davon ausgehen, dass er nach Verbüßung von Zweidritteln seiner Strafe entlassen wurde. 

Jetzt kommt heraus, dass der Mann für die Alternative für Deutschland (AfD) aktiv ist und für den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern kandidiert.

Er engagiert sich für eine Partei, in der menschenverachtende und verfassungsfeindliche Positionen vertreten werden. Das in unserer Verfassung universell verankerte Gleichheitsverständnis und die Menschenwürde werden von Teilen dieser Partei nicht akzeptiert. Die AfD zeigt sich in ihren Aussagen und Forderungen unbarmherzig und gnadenlos gegenüber Menschen, die nicht der von ihr gesetzten Norm entsprechen. Man fordert Härte gegenüber straffällig gewordenen Menschen. Einen offenen Strafvollzug wird es wohl mit ihr nicht geben, ebenso wie die vorzeitige Haftentlassung.

Ich frage mich, was treibt einen Menschen an, der Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat, für die AfD aktiv zu werden, die Barmherzigkeit als Gutmenschentum verachtet und Gnadenlosigkeit propagiert?