Sonntagswort: Universale Verbundenheit

veröffentlicht 05.07.2026, Evangelisches Dekanat Wetterau

Juliane Weitzel, Gemeindereferentin und Schulseelsorgerin im Pastoralraum Wetterau-Nord, schreibt einen Impuls über die Wertschätzung der Natur.

In diesen Tagen hatte ich zwischendurch mal Zeit, mich einem guten Buch zuzuwenden. Es trägt den Titel „Geflochtenes Süßgras“. Die amerikanische Botanikerin und Ökologin Robin Wall Kimmerer, die der indigenen Nation der Potawatomi angehört, reflektiert darin anhand persönlicher Erlebnisse und Überlegungen zu verbesserter Nachhaltigkeit, wie sich Mensch und Natur zueinander verhalten und verhalten könnten - skizziert am Beispiel des Süßgrases, das nur erneut wächst, wenn die richtige Menge geerntet wird. Die Autorin nimmt – in der Tradition der indigenen Völker – die Natur stets als etwas Belebtes wahr, dem Dank, Ehre und Würdigung gebührt.

Besonders beeindruckt hat mich die Erzählung der „großen Danksagung“, die in ihrer Kultur jeder wichtigen Versammlung und Entscheidung vorangestellt wird, und die sich bedankt bei der Erde selbst und allem, was die Natur hervorbringt, weil uns diese Geschenke am Leben erhalten.

Sofort kam mir beim Lesen der Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi in den Sinn, in dem wir mit wunderbaren lyrischen Worten Gott danken dürfen für alles, was er geschaffen hat. Franz spricht von Bruder Sonne und Schwester Mond, und fasst damit genau das in Worte, was auch die Danksagung der indigenen Völker trägt: es ist ein Blick auf die Natur, der uns Menschen nicht als Gegenüber sieht. Denn wir selbst sind auch „natürliche Geschöpfe“, wir sind Teil der Natur, wir gehören zu ihr und sind untrennbar verbunden. Ob dies nun in Dankritualen oder im Erkennen der gesamten Schöpfung als geschwisterlich zum Ausdruck kommt: entscheidend ist die Haltung dahinter. Wenn wir selbst uns (wieder mehr) als Teil der Natur wahrnehmen, verändert dies unseren Blick und sicher auch unser Verhalten. Ich meine, es täte uns – und natürlich damit auch der ganzen Natur - gut, diesen Perspektivwechsel innerlich zu vollziehen. Ich bin mir sicher, dass es uns dann gelänge, mit den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit angemessener umzugehen.