Wer dazugehört und wer nicht, lernen wir schon früh. Kaum beginnen KiTa und Schule, bilden sich Gruppen. „Du darfst mitspielen, aber Du nicht.“ Ein Kind gehört dazu, ein anderes steht daneben. Manchmal braucht es nur einen Satz oder einen Blick, um aus einem „Wir“ ein „Ihr“ zu machen. Kinderkram, mag man denken. Aber wir Erwachsenen stehen den Kindern in nichts nach. Auch wir suchen Gleichgesinnte und grenzen uns ab.
„Wer gehört dazu?“ Diese Frage bewegt uns in vielen Bereichen des Lebens, nicht zuletzt im gesellschaftlichen und politischen. Nach drei kürzlich erfolgten Landtagswahlen merken wir das sehr deutlich: Die einen freuen sich über das Ergebnis, andere sind enttäuscht. Manche sehen es als Gewinn, andere fragen sich: Wie konnte das passieren? Und in all diesen Wahrnehmungen suchen wir Verbündete – überlegen, wer gehört dazu und von wem möchte ich mich distanzieren?
Klar ist, man kann sich nicht mit allen Menschen und Positionen anfreunden. Aber gerade in Zeiten polarisierender Meinungen lohnt es sich, auch einmal innezuhalten und zu fragen: Wie reden wir mit Menschen, die anderer Meinung sind? In der Bibel gibt es etliche Geschichten, die uns dabei zum Vorbild werden können. Zum Beispiel die von einer kanaanäischen Frau, die zu Jesus kommt und ihn um Hilfe für ihre Tochter bittet. Doch als Fremde weist Jesus sie zurück. Die Frau lässt nicht locker. Sie widerspricht klug und bleibt im Gespräch. Und das Überraschende ist: Jesus lässt sich darauf ein. Er hält nicht stur an seiner Ablehnung fest, sondern hört wirklich zu. Und dabei verschieben sich die Grenzen zwischen „innen“ und „außen“.
Vielleicht brauchen wir das auch: Menschen, die bereit sind, wirklich in Austausch zu treten – ohne die eigenen Werte und Überzeugungen aufzugeben. Die zuhören, bevor sie urteilen. Die weniger fragen, wozu der andere gehört, sondern danach, was ihn bewegt und ausmacht. Probieren wir es doch selbst einmal aus und fragen statt „Wer gehört dazu?“ lieber: „Was gehört zu Dir?“