Sonntagswort: Dry January im März

veröffentlicht 22.02.2026, Evangelisches Dekanat Wetterau

Pfarrer Eckart Dautenheimer aus Karben schreibt einen Impuls zur Fastenzeit.

Der „Trockene Januar“ ist seit wenigen Jahren eine populär gewordene Gesundheitskampagne, die dazu aufruft, im Januar auf Alkohol zu verzichten. Der Körper dankt es denen, die mitmachen: Die Leberwerte verbessern sich deutlich. Auch der Schlaf wird besser und das Wohlbefinden steigert sich.

Damit greift diese Aktion eine uralte religiöse Praxis auf: Vor den großen heiligen Festen zu fasten, den Körper zu reinigen, damit man gut auf das Kommen des Heiligen vorbereitet ist. Damit Körper und Seele offen werden für das Unerwartete und ganz andere. Sehnsüchtig wird dabei auf eine gesegnete Zukunft geblickt.

1983 beschloss eine Hamburger Gruppe von Journalisten und Theologen, sieben Wochen lang – von Aschermittwoch bis Ostern – zu fasten. Auf einen Aufruf in einer Kirchenzeitung meldeten sich 70 Teilnehmer. Ein Jahr später nahmen 300 Menschen teil. Mittlerweile nehmen in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen an der Fastenaktion „7 Wochen ohne“ teil, wobei sogar 11,5 Millionen Bundesbürger in der Fastenzeit auf Genussmittel verzichten wollen.

Der Name des ersten Sonntages in der Fasten- und Passionszeit lautet Invokavit. Zu Deutsch: Ein Mensch hat zu Gott „gerufen“ und Gott hat ihn erhört. Das entsprechende Motto dazu für die neue Woche steht im ersten Johannesbrief: „Der Sohn Gottes ist erschienen, damit er die Werke des Teufels zerstöre.“ Spontan fallen mir gleich einige Machthaber ein, die sich wie Werkzeuge des Teufels gebären. Wie sehr wünschen wir uns, dass deren Grausamkeiten beendet und auf Dauer zerstört werden.

Zuversicht, dass sich die Welt zum Guten verändern wird, schenken viele Religionen ihren Gläubigen. Darum vertrauen wir Christinnen und Christen gerade in der Fastenzeit voller Hoffnung auf Gott, dass er uns und die Klagen vieler Opfer erhört. Dass er uns hilft, das Leid zu beenden. Jesus ist unser Vorbild und Influencer des Himmels. Er wird uns zu guten Taten stärken, wenn wir fasten, um das Heilige an Ostern neu zu empfangen. 

Also, warum nicht den Dry January in die Passionszeit verlängern, um sich auf die Auferstehung Jesu Christi vorzubereiten? Ich bin mit dabei.