Aufgewachsen ist Uwe Wagner-Schwalbe in Höingen, dem kleinsten Stadtteil von Homberg (Ohm), der damals gerade einmal 66 Einwohner zählte. Er stammt aus einer Handwerker- und einer Kleinbauernfamilie, wusste aber früh, dass er Pfarrer werden will. „Die Alternative war Journalist“, erzählt er. Vor und während des Studiums arbeitete er deshalb als freier Mitarbeiter für die Gießener Allgemeine Zeitung. Fotografieren ist bis heute sein Hobby.
Begegnung mit unterschiedlichsten Menschen
Beruflich entschied er sich für die Theologie. Er studierte in Marburg und Heidelberg und lernte dabei auch seine heutige Ehefrau Angela Schwalbe kennen, mit der er zwei Töchter hat. Sein Vikariat absolvierte Uwe Wagner-Schwalbe in Frankfurt-Unterliederbach und Neuenhain im Taunus. Besonders geprägt hat ihn dabei die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. „Vom Bauern und dem Fabrikarbeiter bis zum Minister oder Manager.“
Diese Vielfalt setzte sich auch in seinem Spezialvikariat bei der Frankfurter Bahnhofsmission fort. Dort arbeitete er im Schichtdienst und begegnete Menschen am Rand der Gesellschaft ebenso wie jungen Erwachsenen, die in Frankfurt einen Neuanfang suchten.
Seine erste Pfarrstelle führte ihn anschließend in die Wetterau, genauer nach Wöllstadt - dorthin bestehen bis heute enge Verbindungen. Danach kehrte er gemeinsam mit seiner Frau zunächst in die Heimat zurück. Das Ehepaar teilte sich eine Pfarrstelle und war für die vier Orte Höingen, Büßfeld, Schadenbach und Deckenbach zuständig. Während dieser Zeit engagierte sich Uwe Wagner-Schwalbe auch in der Kirchensynode. Mit Dankbarkeit und Demut blickt er heute auf diese Zeit zurück, in der wichtige Weichenstellungen innerhalb der Kirche getroffen wurden, an denen er mitwirken durfte. Etwa die Entscheidung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Mitglied des DSV und stellvertretender Dekan
Im Jahr 2003 wechselte der Pfarrer schließlich nach Münzenberg und Trais. Dort prägte er über mehr als zwei Jahrzehnte das kirchliche Leben mit. Neben der Gemeindearbeit war ihm stets auch der Blick über die Ortsgrenzen hinaus wichtig. Viele Jahre gehörte er dem Dekanatssynodalvorstand an und war stellvertretender Dekan im Dekanat Wetterau. Vertretungen in anderen Gemeinden prägten seine Dienstzeit über die Jahrzehnte: So traf er beim Einschulungsgottesdienst in Wöllstadt Eltern wieder, die er damals selbst dort eingeschult hatte.
Aus den 23 Jahren in Münzenberg und Trais sind ihm viele Erinnerungen geblieben. Gerne denkt Uwe Wagner-Schwalbe etwa an die Zusammenarbeit mit der Johanniter-Grundschule zurück, unter anderem bei der Musical-AG. Dass ihm dieses Projekt Freude machte, passt zu einem seiner großen Hobbys: Der Pfarrer wirkt begeistert in der Mundartgruppe „Ho_pla“ mit, die Geschichten übers Leben erzählt.
Besonders am Herzen liegt ihm die ökumenische Zusammenarbeit vor Ort. Sichtbares Zeichen dafür ist der neue ökumenische Gemeindesaal in der Dorfmitte, der am Pfingstmontag eingeweiht wurde und gemeinsam von evangelischer und katholischer Kirche finanziert wird. Das Gebäude gehört der Stiftung Hospitalfonds Münzenberg, mit der bereits andere Projekte umgesetzt werden konnten. Dort war der Pfarrer ebenfalls 23 Jahre im Vorstand tätig.
Darüber hinaus hat Uwe Wagner-Schwalbe auch die Sanierung des 42 Meter hohen, gedrehten Kirchturms sowie die Neugestaltung des barrierefreien Kirchenvorplatzes begleitet. An unterschiedlichsten Orten feierte er kreative und vielfältige Gottesdienste - zum Beispiel auch mal in der Münzenberger Burg.
Mehr Zeit für Familie, Fotografie und Mundart
Was Uwe Wagner-Schwalbe am Pfarrberuf besonders schätzt, ist die Nähe zu den Menschen. „Es ist schön zu spüren, welches Vertrauen einem entgegengebracht wird“, sagt er. Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu begleiten, habe ihn über all die Jahre erfüllt. „Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Beruf 38 Jahre lang ausüben durfte.“
Im Ruhestand freut sich der Pfarrer nun vor allem auf mehr Zeit für Familie, Musik, Fotografie und seine Mundartgruppe. Vielleicht werde er auch wieder analog fotografieren. Zunächst gehe es aber darum, den Alltag neu zu strukturieren - mit der Freiheit, die gewonnene Zeit flexibler nutzen zu können.
Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Uwe Wagner-Schwalbe findet am Samstag, 13. Juni, um 16 Uhr in der evangelischen Kirche Münzenberg statt.