Birgit Müller, Pfarrerin für vernetzende Altenseelsorge im Evangelischen Dekanat Wetterau und Christian Wiener, Pfarrer für Altenseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), hatten das Angebot gemeinsam organisiert.
Einsamkeit betrifft alt und jung
Christian Wiener führte mit einer Bildbetrachtung in das Thema Einsamkeit ein und wies darauf hin, dass Alleinsein keineswegs immer negativ erlebt wird. Doch es wachse die Gefahr, in eine tiefe Einsamkeit zu geraten, aus der Menschen nur sehr schwer herausfinden. Dies gilt für besonders alte Menschen, aber immer mehr auch für junge Menschen und wird oft im Alltag nicht wahrgenommen. Auch die Pflege von Angehörigen kann einsam machen.
Besuchsdienstmagazin „unterwegs zu menschen“
Dr. Raimar Kremer, Leiter des Zentrums Seelsorge und Beratung der EKHN in Darmstadt, berichtete über verschiedene kirchliche Angebote zum Umgang mit dem Thema Einsamkeit. Kremer ist außerdem Herausgeber des Besuchsdienstmagazins „unterwegs zu menschen“, das sich in einer der letzten Ausgaben unter dem Titel „einsam sein“ mit Facetten der Einsamkeit beschäftigt. Dort sind neben theologischen Texten praktische Unterstützungsangebote und Ideen enthalten, um vor Ort der Einsamkeit zu begegnen. Dazu gehören Quartiersarbeit, Besuchsdienste, aber auch die Bedeutung von Freundschaften. Neu ist die Frage, inwiefern die sozialen Medien und Künstliche Intelligenz Angebote ergänzen können. Informationen dazu sind im Bereich „Download“ auf der Homepage des „Zentrums Seelsorge und Beratung“ zu finden.
Impulspost zum Thema
Kremer erinnerte darüber hinaus an die letztjährige „Impulspost“ der Landeskirche, die unter dem Titel „Du bist nicht allein allein“ an alle EKHN-Mitglieder verschickt wurde. Anhand eines „Wimmelbildes“ wurden einerseits negative Seiten von Einsamkeit dargestellt. Andererseits gab es Anregungen für Lösungswege zu entdecken. Die Resonanz auf diese Impulspost war sowohl von jungen wie auch älteren Menschen ungewöhnlich hoch. Die Aktion fand bundesweite Aufmerksamkeit.
Abschließend erwähnte Kremer das Projekt „zusammen-tun“. Nach dem Motto: Wer etwas „zusammen tut“, ist nicht allein. So kann man z. B. Telefonketten bilden, einen Chor ins Leben rufen oder andere gemeinsame Aktivitäten initiieren.
Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden
Nach den beiden Vorträgen tauschten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen über unterschiedliche Fragen und Herausforderungen aus, die sich unter dem Stichwort „Einsamkeit“ bei Gesprächen im Besuchsdienst ergeben können. Thematisiert wurden hier die Belastungen pflegender Angehöriger, der Umgang mit dem Wunsch, zu sterben sowie die zunehmende Zahl von Menschen, die alleine leben und keine sozialen Kontakte mehr haben. Die Frage, wie (ob?) man diese Menschen über kirchliche Angebote erreichen kann, wurde intensiv diskutiert. Dabei wurden auch Erfahrungen mit schon erlebten Angeboten ausgetauscht. Beispiele dafür sind das monatliche „Walk and talk“-Angebot für Frauen in Bad Nauheim. Informationen dazu sind zu finden unter gemeinsam.wetterau-evangelisch.de. Dort finden sich auch Termine zu einem Kinobesuch „allein“ unter: „KinoKonnekt – Alleine kommen, gemeinsam schauen“.
Die Teilnehmenden erlebten den Thementag als anregend und ermutigend; als Unterstützung, nicht allein mit dem Thema Einsamkeit umgehen zu müssen. Und als Inspiration, weiter Ideen zu entwickeln, wie auch in schwierigen Zeiten und Lebenssituationen mehr miteinander entwickelt und erlebt werden kann.