Kirchenmusik im Wandel – Jubiläumskonzert mit Weitblick in der Markuskirche

veröffentlicht 19.01.2026 von Anna-Luisa Hortien, Evangelisches Dekanat Wetterau

Zum 30-jährigen Bestehen hatte der Freundeskreis für Kirchenmusik in der Markuskirche Butzbach e.V. am Sonntag zu einem Konzert mit Podiumsdiskussion eingeladen. Die Veranstaltung stand unter der Fragestellung: „Kirchenmusik in Zeiten des Umbruchs – Wo geht die Reise hin?”

Seit drei Jahrzehnten unterstützt der Freundeskreis die Kirchenmusik in der Markuskirche finanziell wie ideell. In dieser Zeit wurden zahlreiche musikalische Projekte ermöglicht – stets mit dem Anspruch, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und eine große stilistische Vielfalt zu bieten. 

Vielseitiges Konzertprogramm zwischen Klassik und Jazz

Musikalisch gestalteten der Jazzpianist und Komponist Peter Reiter-Schaub, die Koloratursopranistin Irina Prodan und der Trompeter German Marstatt gemeinsam mit Kantor Uwe Krause ein abwechslungsreiches Programm. Neben Originalwerken für Orgel von Robert Schumann sowie Bearbeitungen von Kompositionen Mozarts und Händels für Sopran und Orgel erklangen auch eigene Werke der beiden Jazzmusiker. Sanfte, zarte und leise Töne wechselten sich mit kraftvollen, energiegeladenen Passagen ab. Besonders das fein abgestimmte Zusammenspiel von Bläsern mit Orgel und Klavier beeindruckte.

In das Konzert eingebettet war eine Podiumsdiskussion, die Martin Guth moderierte. Auf dem Podium sprachen Anne Wirth (stellvertretende Dekanin des Evangelischen Dekanats Wetterau), Sabine Böhme (Mitglied des Posaunenchors der ehemaligen Markus-Kirchengemeinde), Kirchenmusikdirektor Stefan Küchler (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und Propsteikantorin Marina Sagorski. Oberkirchenrat a. D. Stefan Krebs konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Persönliche Zugänge und Emotionen

Die Diskussionsrunde beleuchtete persönliche Zugänge zur Kirchenmusik ebenso wie Chancen und Herausforderungen des Umbruchs, in dem sich die evangelische Kirche und mit ihr die Kirchenmusik befindet.

Marina Sagorski hob zunächst die besondere Atmosphäre der Markuskirche hervor, in der Musik besonders wirke. Räume, so Sagorski, beeinflussten maßgeblich, wie Musik wahrgenommen und erlebt werde.

Anne Wirth betonte, wie wichtig es sei, die Bedürfnisse und Emotionen der Menschen noch stärker in den Blick zu nehmen. Kirchenmusik könne Menschen erreichen, auch unabhängig von einer festen Glaubensbindung. Sabine Böhme schilderte ihre eigene Erfahrung: Kirchenmusik sei von klein auf „ihre“ Form der Verkündigung gewesen – und ein Grund, der Kirche treu zu bleiben.

Kirche im Wandel: Strukturelle Veränderungen und neue Chancen

Mit dem kirchlichen Transformationsprozess „ekhn2030“ verändert sich die Kirche in der Region – und mit ihr auch die Kirchenmusik. Zum 1. Januar haben sich die nördlichsten Kirchengemeinden des Dekanats zur „Gesamtkirchengemeinde Nördliche Wetterau“ zusammengeschlossen. Ressourcen werden gebündelt, neue Strukturen entstehen.

Auf dem Podium wurden die Chancen dieser Veränderungen betont: „Die Hauptamtlichen einer Region können gabenorientierter arbeiten“, so Anne Wirth. „Gleichzeitig haben sie die Freiheit, Neues auszuprobieren.“ Es sei nun Zeit zum Erproben und Ausprobieren. Sabine Böhme berichtete vom neu gebildeten Kirchenmusikausschuss der Gesamtkirchengemeinde.

Zusammenarbeit, Ehrenamt und neue Formen der Verkündigung

Stefan Küchler hob die nun noch stärkere Zusammenarbeit aller Hauptamtlichen, also neben den Pfarrpersonen auch Gemeindepädagogen und Kirchenmusikerinnen, im sogenannten Verkündigungsteam hervor. „Gleichzeitig wollen und müssen die nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker wahrgenommen und wertgeschätzt werden.“ Ehrenamtliche, so waren sich alle einig, werden künftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Man versuche im Dekanat möglichst transparent mit den Veränderungen umzugehen, so Anne Wirth, um möglichst viele Menschen mitzunehmen – unter anderem mit Veranstaltungen wie dieser Podiumsdiskussion.

Auch die Frage nach der Nähe zum Zeitgeist wurde diskutiert: Soziale Medien könnten helfen, jüngere Generationen zu erreichen, ersetzten jedoch nicht das unmittelbare Erleben von Musik. Kirchenmusik müsse live erfahrbar bleiben.

Zum Ausklang der Jubiläumsveranstaltung waren alle Besucherinnen und Besucher zu einem Umtrunk im Chorraum der Markuskirche eingeladen – Gelegenheit für Gespräche, Rückblicke und Ausblicke.