Sonntagswort: Besinnung auf das Notwendige

Bistum Mainz

Pfarrer Stefan Oberst, katholischer Pastoralraum Wetterau-Süd, schreibt einen Impuls zur anstehenden Fastenzeit.

Die Meinungsumfragen vor der Bundestagswahl haben gezeigt, was die Menschen in unserem Land momentan am meisten bewegt. Die Frage nach dem ewigen Leben scheint nicht dazuzugehören. Die Menschen zur Zeit Jesu haben sich diese Frage noch gestellt. So tritt ein Mann an Jesus heran und fragt ihn: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“. Weil er die Gebote treu befolgt, legt Jesus ihm nahe, sich von seinem Besitz zu trennen und sich auf das Notwendige zu konzentrieren. Das bringt er nicht übers Herz. Jesus und der reiche Mann werden sich am Ende nicht einig. (Mk 10,17-22)

Die kommende Fastenzeit ist für uns eine Gelegenheit, uns auf das Notwendige zu besinnen, in zweifacher Hinsicht. Der erste Gedanke betrifft uns selbst. Viele nutzen diese Zeit ohnehin, um auf etwas zu verzichten und anderes dafür neu wertschätzen zu lernen. Fragen wir uns, was wirklich notwendig ist, was wir tatsächlich zum Leben brauchen und was unsere Not wendet. Stellen wir unseren Besitz, aber auch unsere Gewohnheiten und Verhaltensweisen auf den Prüfstand, uns und den anderen zuliebe. Der zweite Gedanke betrifft unsere Mitmenschen, „Meinen Nächsten“, wie die Bibel ihn nennen würde. Es gibt so viel Not in unserer nächsten Umgebung: Trauer und Einsamkeit, Überforderung und Hilflosigkeit. Viel zu oft schauen wir in solchen Situationen weg. Nehmen wir die Not unseres Nächsten wahr und setzen wir uns dafür ein, diese Not zu wenden. Die Besinnung auf das Notwendige bietet also die Chance, wieder bewusster mein Leben zu führen und anderen zu helfen.

Für mich und viele andere ist dieses Jahr 2025 auch ein Heiliges Jahr. Wir sind als „Pilger der Hoffnung“ unterwegs. Ein Pilger, der einen langen Weg geht, nimmt nur das Nötigste mit. Machen wir uns das Leben doch nicht unnötig schwer.