Sonntagswort: Die Endlichkeit des Lebens

veröffentlicht 08.03.2026, Evangelisches Dekanat Wetterau

Pfarrerin Claudia Ginkel, Evangelische Friedensgemeinde Friedberg, schreibt einen Impuls über Friedhöfe & Bestattungen.

Ich gehe gerne über den Friedberger Friedhof. Er ist ein Park mit vielen schönen und alt gewordenen Bäumen, gepflegten Wegen und einer schönen Aussicht auf die Wetterau. Viele Familiengräber finden sich dort, die mitunter mehrere Generationen Verstorbener beherbergen. Manchmal bleibe ich bei einem Grabstein länger stehen, weil mir das Sterbedatum oder auch ein Name aufgefallen sind. 

Vergangenes Jahr gab es nun in Rheinland-Pfalz eine Änderung des Bestattungsgesetzes. Die Urne kann dort jetzt auch zuhause auf den Kaminsims gestellt, die Asche von Verstorbenen im Rhein verstreut oder auch zu einem synthetischen Schmuckstück verarbeitet werden. „Oma ist jetzt ein Diamant“ titelte daraufhin die Presse. 

Eine gewisse Liberalität im Umgang mit unserer Bestattungspraxis finde ich einerseits durchaus begrüßenswert. Andererseits habe ich die Befürchtung, dass wir so noch mehr das Thema Sterben und Tod aus unserer Gesellschaft verbannen als es sowieso schon geschieht. Gestorben wird heute fast nur noch in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Tritt dann der Tod ein, wird der Tote möglichst schnell an einen anderen Ort gebracht, um ihn ja von den Lebenden fernzuhalten. 

Wenn nun auch noch die Friedhöfe überflüssig werden, gibt es keine zentralen öffentlichen Orte mehr, die uns die Endlichkeit unseres Lebens vor Augen führen. Gerade diese Einsicht ist es doch, die unserem Leben seine Bedeutung und Besonderheit gibt. Das wusste auch schon der Psalmbeter, wenn er bittet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“