Sonntagswort: Geschichte schreiben

GKG

Ihr Pfarrer Simba Burgdorf, Gesamtkirchengemeinde Karben, schreibt einen Impuls zum Wahlsonntag.

Sind sie ein visueller Lerntyp? Meine Frau jedenfalls ist einer. Deswegen weiß ich, wie diese Lerntypen arbeiten. Man kann sie so etwas fragen wie: Auf welcher Seite im Buch stand diese Information nochmal? Sie kann dann oft antworten: Mitte des Buches, linke Seite, im zweiten Abschnitt.

In den Tagen und Wochen vor der Bundestagswahl begleitete mich diese Frage auf einer tieferen Ebene. Weil ich mich ständig fragte: Auf welcher Seite der Geschichtsbücher wird der jetzige Wahlsonntag einmal stehen? Und auf welcher Seite werde ich, mit meiner Wahlentscheidung, einmal untergebracht werden?

Wir stehen an einem Wendepunkt – nicht nur in der Politik, sondern auch in unserer persönlichen Geschichte. Es geht um weit mehr als um ein Kreuz, es ist eine Kreuzung in den Geschichtsbüchern.

Unsere Entscheidung bei der Bundestagswahl ist ein stilles, aber kraftvolles Zeugnis. Jeder von uns hält einen Stift in der Hand, mit dem er das nächste Kapitel unserer gemeinsamen Zukunft mitgestalten kann. Es ist, als ob wir gefragt werden: „Welches Kapitel möchtest du in der Geschichte hinterlassen?“ Wird es das Kapitel der Spaltung und des Hasses, oder das Kapitel der Nächstenliebe, des Friedens und des Miteinanders?

Unter welchem Abschnitt der Erzählung wollen Sie am Ende aufgeführt werden?

Für mich ist das eine Frage, die untrennbar mit meinem Glauben zusammenhängt. Weil ich schon weiß, was Gott für diese Welt geplant hat. Durch Jeremia hat er uns zugesagt: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Wenn die Erzählung meiner Zeit aufgeschrieben wird, dann möchte ich auf der Seite seines Plans für diese Welt stehen. Ich möchte dort aufgeführt werden, wo sich die Hoffnung zusammengetan hat. Nicht auf der Seite des Hasses und des Leids, sondern unter dem Abschnitt, der von den Kämpferinnen und Kämpfern für die Liebe und den echten Frieden erzählt.

Und wenn später jemand fragen wird: Auf welcher Seite findet man ihn nochmal? Dann antwortet hoffentlich ein visueller Lerntyp: Auf der Seite, auf der es um die Hoffnung für unsere Welt geht.