Wer mit Kindern zusammenlebt, könnte manchmal den Eindruck bekommen, Wasser sei eine ziemlich zweifelhafte Erfindung. Gerade dann, wenn sie sich damit waschen sollen. Aus dem harmlosen Wasserhahn wird plötzlich eine Zumutung, das Badezimmer verwandelt sich in eine Verhandlungszone.
Wenn man Pfarrer ist, erlebt man Ähnliches auch bei Taufen. Man gießt einem Kind ein wenig Wasser über den Kopf – und wird anschließend angeschaut, als hätte man gerade etwas Unerhörtes getan.
Dabei steckt in diesem bisschen Wasser etwas erstaunlich Großes. In der Bibel steht Wasser für Leben. Für Aufbruch. Für Neuanfang. In der Taufe wird genau das zugesagt: Du gehörst zu Gott. Mit allem, was du warst, bist und jemals sein wirst. Selbst dann, wenn du protestierst oder zweifelst oder im Leben auch mal Mist baust.
Die Taufe verspricht: Es gibt keinen Ort, aus dem Gott dir nicht wieder einen Neuanfang herauswachsen lassen kann.
Deshalb kann in unserem Leben auch immer wieder etwas neu beginnen. Weil Gottes Zusage nicht davon abhängt, ob wir alles richtig machen. Sondern weil sie vorher da ist – wie eine Quelle, die längst fließt, bevor wir überhaupt anfangen zu suchen.
Manchmal zeigt sich das mitten im Alltag: wenn ein Streit nicht das letzte Wort behält. Wenn jemand den Mut findet, sich zu entschuldigen. Wenn nach einer schweren Zeit plötzlich wieder ein bisschen Hoffnung wächst. Kleine Momente, in denen etwas neu beginnt.
Daran erinnert auch der Weltwassertag am 22. März: Wasser schenkt Leben. Ohne Wasser wächst nichts.
Die Taufe erzählt noch eine andere Wahrheit: Auch unser Leben muss nicht beim Alten stehen bleiben. Weil Gott uns längst zugesagt hat, dass wir zu ihm gehören.
Vielleicht erinnern uns ein paar Tropfen Wasser deshalb an mehr als nur an den nächsten Waschgang.
An die Hoffnung, dass Gott aus unserem Leben immer wieder etwas Neues wachsen lassen kann und wird.
So wünsche ich Ihnen in den kommenden Tagen viele solche Momente – in denen aus ein paar Tropfen Hoffnung neues Leben wächst.